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Bürger:innenbudget

MitbestimmenProjektplanungEntscheidungsfindungAnalogDigitalHybrideinige Wocheneinige Monatedirekte Betroffeneinteressierte Öffentlichkeitschwer erreichbare Gruppenorganisierte Akteur:innengroße Gruppe ab 30StrukturiertAktivierend

Ein Bürger:innenbudget stellt einen festen Geldbetrag für Projekte bereit, die von Bürger:innen vorgeschlagen und ausgewählt werden. Die Teilnehmenden können Ideen einreichen und selbst darüber entscheiden, welche Projekte umgesetzt werden sollen. Die Methode stärkt lokale Mitgestaltung und macht Beteiligung durch sichtbare Ergebnisse unmittelbar erfahrbar.

Ziel

Ziel des Bürger:innenbudgets ist es, Bürger:innen aktiv an der Entwicklung ihres Stadtteils, ihrer Gemeinde oder ihrer Stadt zu beteiligen. Sie können eigene Projektideen einbringen und selbst mitentscheiden, welche Vorhaben mit dem bereitgestellten Budget umgesetzt werden.

Wann sinnvoll?

  • wenn Bürger:innen eigene Ideen für ihren Ort entwickeln sollen
  • um lokale Projekte sichtbar und direkt umsetzbar zu machen
  • wenn Beteiligung mit konkreten Ergebnissen verbunden werden soll
  • um Verantwortung und Engagement zu fördern
  • wenn neue Zielgruppen für Beteiligung gewonnen werden sollen
  • bei Stadtteil-, Gemeinde- oder Quartiersentwicklung
  • um die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Bürgerschaft zu stärken

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen
  • wenn Politik oder Verwaltung nicht bereit sind, Ergebnisse umzusetzen
  • bei sehr kurzfristigen Projekten
  • wenn noch keinerlei Beteiligungserfahrung vorhanden ist

Ablauf

Zu Beginn muss geklärt werden:

  • Wie hoch ist das verfügbare Budget?
  • Wer stellt die Mittel bereit?
  • Wie häufig soll das Bürger:innenbudget stattfinden?
  • Welche Projekte können grundsätzlich gefördert werden?

Wichtig ist, den finanziellen Rahmen von Anfang an transparent zu kommunizieren.

Es kann hilfreich sein, bestimmte Themenbereiche festzulegen.

Zum Beispiel:

  • öffentlicher Raum, Mobilität
  • Freizeit, Umwelt, Nachbarschaft
  • Kultur

Ebenso sollte klar benannt werden, welche Ideen nicht eingereicht werden können.

Hilfreiche Formulierung: „Welche Projekte können wir auf kommunaler Ebene tatsächlich umsetzen?“

Menschen sollten Ideen auf verschiedenen Wegen einreichen können.

Zum Beispiel:

  • Online-Plattform
  • Briefkasten oder Post
  • Gemeinde- oder Stadtverwaltung, Informationsstände, Beteiligungsveranstaltungen

Je einfacher die Beteiligung, desto mehr Menschen können erreicht werden.

Besonders wichtig ist es, auch Menschen einzubeziehen, die sonst selten an Beteiligungsprozessen teilnehmen.

Dafür können genutzt werden:

  • aufsuchende Formate, Informationsstände im öffentlichen Raum
  • Kooperationen mit Vereinen, Besuche in Jugendtreffs
  • Gespräche in Senioreneinrichtungen

Zu Beginn werden die Bürger:innen informiert über:

  • Ablauf und Zeitplan des Bürger:innenbudgets
  • Budgethöhe
  • Teilnahmebedingungen
  • Auswahlkriterien

Wichtig ist eine verständliche und transparente Kommunikation.

Die Bürger:innen reichen ihre Ideen ein. Die Einreichung kann auf mehreren Wegen stattfinden, um eine höhere Teilnahme zu fördern und es allen Zielgruppen einfacher zu machen.

Hilfreiche Leitfragen:

  • „Was würde unseren Stadtteil verbessern?“
  • „Welche Idee fehlt bisher?“
  • „Wofür sollte das Budget eingesetzt werden?“
  • „Welche Maßnahme hätte einen spürbaren Nutzen für viele Menschen?“

Eher vermeiden:

  • zu komplizierte Antragsformulare, Fachsprache, unklare Kriterien

Die eingereichten Ideen werden auf:

  • Zuständigkeit und Umsetzbarkeit
  • Kosten und rechtliche Rahmenbedingungen

überprüft.

Besonders wichtig ist Transparenz. Wenn Vorschläge nicht zugelassen werden, sollte dies nachvollziehbar begründet werden.

Die Bürger:innen entscheiden selbst über die eingereichten Projekte.

Dies kann erfolgen durch:

  • Online-Abstimmung, öffentliche Veranstaltung
  • Workshop

Wichtig ist ein nachvollziehbarer und fairer Auswahlprozess.

Die ausgewählten Projekte werden umgesetzt.

Je nach Modell:

  • durch die Verwaltung oder Bürger:innen
  • gemeinsam durch Verwaltung und Bürgerschaft

Während der Umsetzung sollten regelmäßig Informationen zum Fortschritt veröffentlicht werden.

Nach Abschluss sollten folgende Informationen veröffentlicht werden:

  • Anzahl der eingereichten Ideen und Abstimmenden
  • ausgewählte Projekte
  • verwendete Mittel
  • aktueller Umsetzungsstand

Hilfreiche Fragen:

  • Welche Gruppen wurden erreicht?
  • Welche Gruppen haben gefehlt?
  • Welche Themen waren besonders wichtig?
  • Wo gab es Hürden im Verfahren?

Die Erkenntnisse helfen bei der Weiterentwicklung zukünftiger Bürger:innenbudgets.

Die Teilnehmenden sollten erfahren:

  • welche Projekte ausgewählt wurden
  • warum bestimmte Vorschläge nicht umgesetzt werden konnten
  • wie der aktuelle Stand der Umsetzung ist

Sichtbare Rückmeldungen stärken das Vertrauen in zukünftige Beteiligungsprozesse.

Besonders wichtig ist, die Ergebnisse sichtbar zu machen. Je mehr Menschen die Wirkung ihrer eingebrachten Ideen erleben, desto eher beteiligen sie sich auch an zukünftigen Projekten.

Quelle: https://partizipation.at/partizipation-anwenden/methoden/

Hinweise

Tipps

  • Budgethöhe und Kriterien frühzeitig kommunizieren.
  • Die Einreichung möglichst einfach gestalten.
  • Analoge und digitale Beteiligungsmöglichkeiten nutzen.
  • Entscheidungen transparent begründen.
  • Ausreichend Zeit für die Prüfung der Vorschläge einplanen.
  • Regelmäßig den Umsetzungsstand der Projekte zeigen.
  • Schwer erreichbare Gruppen gezielt einbinden.
  • Erfolge sichtbar machen.

Ungeeignet für

  • wenig finanzielle Mittel die zur Verfügung stehen
  • Politik und Verwaltung die Ergebnisse nicht unterstützen
  • keine Ressourcen für Prüfung und Umsetzung vorhanden sind
  • die Rahmenbedingungen unklar sind
  • bisher kaum Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen bestehen

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Bürgerforum

Das Bürgerforum ist ein Beteiligungsformat, das den Austausch zwischen Bürger:innen, Politik, Verwaltung und weiteren relevanten Akteur:innen ermöglicht. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, gemeinsam Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Durch die Kombination aus Präsenzveranstaltungen und digitalen Austauschformaten kann eine größere Anzahl an Menschen über einen längeren Zeitraum eingebunden werden.

StrukturiertAktivierend

Bürger:innenversammlung

Eine Bürger:innenversammlung ist ein offenes Beteiligungsformat, bei dem Menschen über ein Vorhaben informiert werden und anschließend ihre Fragen, Meinungen, Wünsche und Anregungen einbringen können. Sie eignet sich besonders, um viele Menschen gleichzeitig zu erreichen, Transparenz herzustellen und erste Rückmeldungen zu einem Projekt einzuholen. Die Methode besteht meist aus einem Informationsteil und einem anschließenden Austausch. Je nach Thema kann die Diskussion im Plenum, an Thementischen oder in kleineren Gruppen stattfinden.

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