Methode
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Bürger:innenrat (Citizens' Assembly)

MitredenMitbestimmenEinarbeitungAustausch & DiskursAnalogDigital1 Tag - 1 Wocheeinige Wochendirekte Betroffeneinteressierte Öffentlichkeitschwer erreichbare Gruppenorganisierte Akteur:innengroße Gruppe ab 30so viele wie möglichStrukturiertAktivierend

Ein Bürger:innenrat bringt zufällig ausgewählte Bürger:innen zusammen, die sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einer gesellschaftlich relevanten Fragestellung beschäftigen. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam fundierte Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung zu erarbeiten. Die Methode eignet sich besonders für komplexe und kontroverse Themen, bei denen breite gesellschaftliche Perspektiven berücksichtigt werden sollen.

Ziel

Ziel eines Bürger:innenrats ist es, komplexe Fragestellungen aus Sicht der Bevölkerung zu beraten und gemeinsam Empfehlungen zu entwickeln. Durch die zufällige Auswahl der Teilnehmenden sollen möglichst vielfältige Erfahrungen und Perspektiven einfließen und so zu ausgewogenen Ergebnissen beitragen.

Wann sinnvoll?

  • bei komplexen gesellschaftlichen Fragestellungen
  • bei Themen mit großem öffentlichem Interesse
  • wenn unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden sollen
  • um Empfehlungen für Politik und Verwaltung zu erarbeiten
  • bei kontroversen Themen, die sorgfältige Diskussion erfordern

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn schnelle Entscheidungen benötigt werden
  • wenn kein Handlungsspielraum besteht
  • wenn Ergebnisse bereits feststehen
  • wenn kein politischer Wille zur Auseinandersetzung mit den Ergebnissen vorhanden ist
  • wenn Zeit, Personal oder Budget fehlen

Ablauf

Zu Beginn muss eine klare und verständliche Leitfrage formuliert werden.

Zum Beispiel:

  • „Wie kann unsere Stadt klimafreundlicher werden?“
  • „Wie soll die Innenstadt in Zukunft gestaltet werden?“
  • „Welche Maßnahmen stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“

Wichtig ist:

  • ein klarer Arbeitsauftrag mit einer ergebnisoffenen Fragestellung
  • ausreichend Handlungsspielraum

Bereits vor Beginn sollte feststehen:

  • Wer erhält die Empfehlungen?
  • Wer entscheidet über die Umsetzung?
  • Was passiert nach Abschluss des Bürger:innenrats?

Die Teilnehmenden sollten wissen, welchen Einfluss ihre Arbeit haben kann.

Die Teilnehmenden werden zufällig ausgewählt.

Dabei wird darauf geachtet, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen vertreten sind, beispielsweise hinsichtlich:

  • Alter, Geschlecht
  • Bildungsstand, Einkommen
  • Wohnort
  • Migrationsgeschichte

Ziel ist eine möglichst vielfältige Zusammensetzung.

Damit möglichst viele Menschen teilnehmen können, sollten Barrieren reduziert werden.

Zum Beispiel durch:

  • Übernahme von Fahrtkosten, Kinderbetreuung, Aufwandsentschädigungen
  • barrierefreie Räume
  • technische Unterstützung bei digitalen Formaten

Zu Beginn lernen sich die Teilnehmenden kennen und erhalten Informationen zum Prozess.

Dabei werden geklärt:

  • Rolle der Teilnehmenden
  • Ablauf und Zeitplan
  • Erwartungen und Regeln für die Zusammenarbeit

Wichtig ist eine offene und respektvolle Gesprächskultur.

Die Teilnehmenden erhalten Hintergrundinformationen zum Thema.

Dafür können eingeladen werden:

  • Wissenschaftler:innen, Fachleute aus Verwaltung und Praxis
  • Betroffene, Interessensvertretungen

Ziel ist es, eine gemeinsame Wissensgrundlage zu schaffen.

Anschließend diskutieren die Teilnehmenden in moderierten Klein- und Großgruppen.

Hilfreiche Fragen:

  • „Welche Perspektiven sind bisher noch nicht sichtbar geworden?“
  • „Welche Auswirkungen hätte diese Maßnahme auf unterschiedliche Gruppen?“
  • „Welche Chancen und Risiken sehen wir?“
  • „Welche Interessen müssen berücksichtigt werden?“

Eher vermeiden:

  • Schuldzuweisungen, Suggestivfragen
  • parteipolitische Debatten, vorschnelle Entscheidungen ohne Diskussion

Auf Grundlage der Diskussionen werden konkrete Vorschläge erarbeitet.

Dabei sollte immer gefragt werden:

  • Was ist realistisch umsetzbar? Und welche Voraussetzungen sind notwendig?
  • Welche Wirkung wird erwartet? Wer wäre betroffen?

Die Empfehlungen werden gemeinsam beschlossen.

Die Handlungsempfehlungen werden in einem Bericht zusammengefasst und an die zuvor festgelegten politischen Entscheidungsträger:innen übergeben.

Wichtig ist eine verständliche und transparente Darstellung der Ergebnisse.

Die Ergebnisse sollten nachvollziehbar festgehalten werden:

  • Empfehlungen mit Begründungen
  • Abstimmungsergebnisse und ggf. offene Fragen

Eine transparente Dokumentation stärkt die Glaubwürdigkeit des Prozesses.

Hilfreiche Fragen:

  • Wurden unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt?
  • Haben sich die Teilnehmenden ausreichend informiert gefühlt?
  • Welche Erfahrungen wurden gemacht?
  • Was kann beim nächsten Bürger:innenrat verbessert werden?

Besonders wichtig ist die Rückmeldung darüber:

  • welche Empfehlungen übernommen wurden
  • welche nicht umgesetzt werden
  • warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden

Dadurch bleibt der Prozess nachvollziehbar und glaubwürdig. Besonders wichtig ist, die Umsetzung sichtbar zu machen und regelmäßig über den Fortschritt zu informieren. So entsteht Vertrauen in den Beteiligungsprozess und die Bereitschaft, sich auch zukünftig einzubringen.

Quelle: https://partizipation.at/partizipation-anwenden/methoden/

Hinweise

Tipps

  • Die Fragestellung möglichst klar formulieren.
  • Ausreichend Zeit für Information und Austausch einplanen.
  • Mit professioneller Moderation arbeiten.
  • Verständliche Informationen bereit stellen.
  • Für eine vielfältige Zusammensetzung der Gruppe sorgen.
  • Teilnahmebarrieren reduzieren.
  • Transparent über den Umgang mit den Ergebnissen kommunizieren.
  • Eine unabhängige Evaluation einplanen.

Ungeeignet für

  • Projekte mit kurzfristigem Entscheidungsbedarf.
  • Vorhaben ohne echten Gestaltungsspielraum oder Ergebnisoffenheit.
  • Prozesse ohne ausreichende personelle, zeitliche oder finanzielle Ressourcen für Vorbereitung und Begleitung.
  • Beteiligungsverfahren, bei denen die erarbeiteten Empfehlungen nicht ernsthaft berücksichtigt oder weiterverfolgt werden.
  • Fragestellungen, die bereits entschieden oder so eng gefasst sind, dass kein Raum für unterschiedliche Perspektiven bleibt.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Umfrage

Die Umfrage ist eine Beteiligungsmethode, mit der Meinungen, Erfahrungen, Bedürfnisse oder Einschätzungen vieler Menschen systematisch erfasst werden können. Sie eignet sich besonders, um schnell eine große Anzahl an Rückmeldungen zu sammeln und Trends oder Stimmungen sichtbar zu machen. Umfragen können analog, digital oder kombiniert durchgeführt werden. Die Fragen können geschlossen formuliert sein, etwa mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, oder offen, sodass Teilnehmende eigene Antworten formulieren können. Während geschlossene Fragen eine einfache und vergleichbare Auswertung ermöglichen, liefern offene Fragen oft detailliertere Einblicke und persönliche Perspektiven.

EinfachStrukturiert

Bürgerforum

Das Bürgerforum ist ein Beteiligungsformat, das den Austausch zwischen Bürger:innen, Politik, Verwaltung und weiteren relevanten Akteur:innen ermöglicht. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, gemeinsam Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Durch die Kombination aus Präsenzveranstaltungen und digitalen Austauschformaten kann eine größere Anzahl an Menschen über einen längeren Zeitraum eingebunden werden.

StrukturiertAktivierend

Online-Beteiligung

Online-Beteiligung ist ein digitales Beteiligungsformat, bei dem Menschen über eine Website oder Plattform an Planungs- und Entscheidungsprozessen teilnehmen können. Teilnehmende können dort Informationen abrufen, Ideen einbringen, Kommentare schreiben, Vorschläge bewerten oder gemeinsam an Karten und Themen arbeiten. Die Beteiligung kann live während einer Veranstaltung stattfinden oder über einen längeren Zeitraum unabhängig von Ort und Zeit genutzt werden. Dadurch können viele unterschiedliche Menschen erreicht und Beteiligung flexibler gestaltet werden.

StrukturiertAktivierend
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