Methode
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Bürger:innenrat (Wisdom Council)

MitredenMitbestimmenEinarbeitungAustausch & DiskursAnalog1 Tag - 1 Wochedirekte Betroffeneinteressierte Öffentlichkeitschwer erreichbare Gruppenorganisierte Akteur:innenkleine Gruppe bis 15StrukturiertAktivierend

Ein Bürger:innenrat nach dem Modell des Wisdom Council bringt eine kleine Gruppe zufällig ausgewählter Bürger:innen zusammen, die innerhalb von ein bis zwei Tagen gesellschaftliche Herausforderungen diskutieren und gemeinsame Empfehlungen erarbeiten. Durch die besondere Moderationsmethode der Dynamic Facilitation entstehen oft neue Perspektiven und Lösungsansätze, die über klassische Diskussionen hinausgehen. Die Ergebnisse werden anschließend öffentlich vorgestellt und weiter diskutiert.

Ziel

Ziel des Wisdom Council ist es, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen und daraus gemeinsame Empfehlungen zu entwickeln. Die Methode schafft Raum für kreative Lösungsansätze, stärkt demokratische Beteiligung und fördert den Dialog zwischen Bevölkerung, Politik und Verwaltung.

Wann sinnvoll?

  • wenn neue Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen gesucht werden
  • um Diskussionen anzustoßen
  • wenn Bürger:innen direkt in politische Prozesse eingebunden werden sollen
  • bei komplexen Fragestellungen ohne offensichtliche Lösungen
  • um Engagement und Eigenverantwortung zu stärken
  • wenn erste Empfehlungen für Politik oder Verwaltung entwickelt werden sollen

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn detaillierte Fachkonzepte erarbeitet werden sollen
  • wenn keine Bereitschaft besteht, die Ergebnisse weiterzuverfolgen
  • wenn die Fragestellung bereits vollständig vorgegeben ist
  • wenn keine neutrale Moderation verfügbar ist

Ablauf

Zunächst überlegen, welches Thema bearbeitet werden soll.

Die Fragestellung sollte:

  • gesellschaftlich relevant sein, einen Bezug zum Lebensalltag der Menschen haben
  • offen formuliert sein um unterschiedliche Perspektiven zulassen

Beispiele:

  • „Wie kann unser Stadtzentrum lebendiger werden?“
  • „Was braucht es für ein gutes Zusammenleben im Quartier?“
  • „Wie können wir Jugendliche stärker einbinden?“

Vermeiden:

  • sehr technische oder zu konkrete Fragestellungen
  • bereits entschiedene Themen, Fragen ohne Handlungsspielraum

12 bis 16 Bürger:innen per Zufallsverfahren einladen.

Auf eine möglichst vielfältige Zusammensetzung achten hinsichtlich:

  • Alter, Geschlecht
  • Wohnort
  • Bildungsstand und Lebenssituation

Wichtig:

Jede Person spricht für sich selbst und nicht als Vertreter:in einer Organisation oder Interessengruppe.

Planen:

  • einen ruhigen Raum
  • ausreichend Moderationsmaterial, Dokumentation der Ergebnisse
  • Verpflegung
  • ausreichend Zeit für Pausen

Die Atmosphäre sollte offen, respektvoll und wertschätzend sein.

Bereits vor Beginn sollte geklärt sein:

  • Wer erhält die Ergebnisse und beschäftigt sich anschließend damit?
  • Wie wird über die Umsetzung entschieden?

Die Teilnehmenden sollten wissen, dass ihre Arbeit ernst genommen wird.

Mit einer Vorstellungsrunde starten und erläutern:

  • Ziel und Ablauf des Bürger:innenrats
  • Rolle der Teilnehmenden, Gesprächsregeln

Wichtig ist, von Beginn an Vertrauen aufzubauen.

Hilfreiche Fragen:

  • „Was hat Sie motiviert, teilzunehmen?“
  • „Welche Erfahrungen bringen Sie mit?“

Die Teilnehmenden beschreiben:

  • Herausforderungen, Sorgen
  • Beobachtungen
  • Wünsche, Ideen

Die Moderation hält alle Beiträge sichtbar fest. Dabei werden vier Bereiche genutzt:

  • Probleme
  • Lösungen
  • Bedenken
  • Informationen / Sichtweisen

Wichtig:

Alle Beiträge werden aufgenommen und zunächst nicht bewertet.

Die Moderation folgt dem Gesprächsverlauf und versucht nicht, Diskussionen frühzeitig zu lenken oder zu strukturieren. Alle Informationen zu Dynamic Facilitation sind als eigene Methode beschrieben.

Die Aufgabe der Moderation ist:

  • aktiv zuzuhören, Beiträge sichtbar festzuhalten
  • unterschiedliche Perspektiven einzubringen
  • Verständnisfragen zu stellen und den Gesprächsfluss zu unterstützen

Hilfreiche Fragen:

  • „Was macht dieses Thema wichtig?“, „Was steckt hinter dieser Sorge?“
  • „Welche Idee könnte daraus entstehen?“, „Was wäre ein erster Schritt?“

Eher vermeiden:

  • Abstimmungen zu früh im Prozess, Zeitdruck
  • Bewertungen von Beiträgen

Am Ende des Prozesses formuliert die Gruppe eine gemeinsame Erklärung.

Diese sollte enthalten:

  • zentrale Erkenntnisse,gewünschte Veränderungen mit Empfehlungen und mögliche nächste Schritte

Wichtig:

Die Erklärung wird gemeinsam getragen und nicht von Einzelpersonen formuliert.

Die Ergebnisse werden anschließend öffentlich vorgestellt.

Zum Beispiel in einem Bürger:innencafé, Bürgerforum oder öffentlichen Austauschformat.

Wichtig ist, dass Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung teilnehmen und auf die Ergebnisse reagieren können.

Dokumentieren:

  • die gemeinsame Erklärung mit Empfehlungen
  • wichtige Diskussionsthemen und ggf. noch offene Fragen

Die Dokumentation sollte öffentlich zugänglich sein.

Nach dem Bürger:innenrat trifft sich idealerweise eine Gruppe aus:

  • Verwaltung, Politik
  • Prozessbegleitung
  • einzelnen Vertreter:innen des Bürger:innenrats

Gemeinsam wird besprochen:

  • Welche Empfehlungen können weiterverfolgt werden?
  • Welche Schritte sind notwendig?, Wer übernimmt Verantwortung?

Die Teilnehmenden darüber informieren:

  • welche Ergebnisse aufgegriffen wurden und welche Maßnahmen folgen
  • welche Empfehlungen aktuell nicht umgesetzt werden können

Dadurch bleibt der Prozess glaubwürdig. Besonders wirkungsvoll ist die regelmäßige Wiederholung des Formats. So entsteht über die Zeit ein kontinuierlicher Dialog zwischen Bevölkerung, Politik und Verwaltung.

Quelle: https://partizipation.at/partizipation-anwenden/methoden/

Hinweise

Tipps

  • Mit einer erfahrenen Dynamic-Facilitation-Moderation arbeiten.
  • Ausreichend Zeit für offene Gespräche einplanen.
  • Eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen.
  • Alle Beiträge sichtbar dokumentieren.
  • Auf eine vielfältige Zusammensetzung der Gruppe achten.
  • Bereits vor Beginn die Weiterarbeit an den Ergebnissen planen.
  • Für eine öffentliche Präsentation der Empfehlungen sorgen.
  • Den Bürger:innenrat regelmäßig wiederholen, um langfristige Lernprozesse zu ermöglichen.

Ungeeignet für

  • Vorhaben, bei denen konkrete Fachplanungen erarbeitet werden sollen.
  • Prozesse, in denen bereits fertige Lösungen vorliegen und keine ergebnisoffene Diskussion mehr möglich ist.
  • Situationen ohne Bereitschaft zur gemeinsamen Weiterarbeit oder Umsetzung der Ergebnisse.
  • Vorhaben, bei denen die Ergebnisse keine politische oder organisatorische Anschlussfähigkeit besitzen.
  • Beteiligungsprozesse, für die keine neutrale Moderation zur Verfügung steht.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Zukunftwerkkstatt

Die Zukunftswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam Probleme analysieren, Zukunftsvisionen entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte ableiten. Die Methode verbindet kreatives Denken mit praktischer Planung und eignet sich besonders für Themen, bei denen neue Ideen und langfristige Perspektiven gefragt sind. Die Zukunftswerkstatt ist in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert: Kritikphase, Utopiephase und Realisierungsphase. Durch diesen klaren Ablauf wechseln die Teilnehmenden bewusst zwischen Kritik, Vision und konkreter Umsetzung. Dadurch entstehen oft kreative und gemeinschaftlich entwickelte Lösungsansätze.

AktivierendKreativ
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