
Inhaltsanalyse
Die Inhaltsanalyse ist eine strukturierte Methode zur Auswertung von qualitativen und quantitativen Daten. Sie hilft dabei, große Mengen an Informationen systematisch zu untersuchen, zu kategorisieren und auszuwerten. Dabei werden alle Materialien nach bestimmten Kategorien analysiert. Ziel ist es, Muster, Zusammenhänge, Unterschiede oder wiederkehrende Aussagen sichtbar zu machen.
Ziel
Das Ziel der Inhaltsanalyse ist es, Informationen systematisch auszuwerten und nachvollziehbare Erkenntnisse zu gewinnen. Die Methode hilft dabei, Aussagen zu ordnen, Muster sichtbar zu machen und komplexe Datenmengen so aufzubereiten, dass daraus fundierte Entscheidungen oder Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können.
Wann sinnvoll?
- Bei der Auswertung vieler Interviews, Kommentare oder Freitextantworten.
- Zur nachvollziehbaren und transparenten Analyse qualitativer Daten.
- Zum Vergleich von Aussagen verschiedener Gruppen oder Zielgruppen.
- Um Muster, Häufigkeiten oder Unterschiede in den Daten sichtbar zu machen.
- Als fundierte Grundlage für Entscheidungen oder weitere Planungen.
Wann nicht sinnvoll?
- Bei sehr kleinen Datenmengen, die keine systematische Auswertung erfordern.
- Wenn schnelle erste Eindrücke oder eine grobe Orientierung ausreichen.
- Zur kreativen Interpretation oder Entwicklung neuer Ideen.
- Bei fehlender Zeit für eine systematische und nachvollziehbare Auswertung.
Ablauf
Analog
- Ausdrucke der Materialien
- Textmarker
- Moderationskarten
- Pinnwand
Digital
- Tabellenprogramm
- Dokumentensoftware
- Auswertungssoftware (optional)
- digitales Whiteboard
Alle Inhalte sammeln, die ausgewertet werden sollen.
Zum Beispiel:
- Interviewtranskripte
- Workshop-Protokolle
- Umfrageantworten
- Stellungnahmen
- Dokumentationen
- Fotos oder Videos
Klären, welche Frage beantwortet werden soll.
Beispiele:
- Welche Themen werden besonders häufig genannt?
- Welche Bedürfnisse zeigen sich?
- Welche Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Zielgruppen?
- Welche Maßnahmen werden bevorzugt?
Festlegen, wie die Kategorien entstehen sollen.
Die verschiedenen Formen der Inhaltsanalyse können miteinander kombiniert werden. Häufig werden zunächst induktiv Themen entwickelt, die anschließend vergleichend oder kontextuell weiter untersucht werden.
Das macht die Methode deutlich verständlicher und hilft Nutzer:innen dabei, die passende Analyseform für ihren konkreten Anwendungsfall auszuwählen.
Folgende Möglichkeiten bestehen:
Bei der qualitativen Inhaltsanalyse werden Aussagen, Texte oder Gesprächsinhalte systematisch ausgewertet, um Bedeutungen, Meinungen, Bedürfnisse oder Argumentationsmuster sichtbar zu machen.
Die Inhalte werden Kategorien zugeordnet und anschließend interpretiert. Dabei geht es weniger darum, wie oft etwas genannt wird, sondern vielmehr darum, was genau gesagt wird und welche Bedeutung dahinter steckt.
Beispiel
In Interviews zum Thema Stadtentwicklung äußern Teilnehmende:
- „Ich fühle mich nachts unsicher.“
- „Es fehlen beleuchtete Wege.“
- „Der Park ist abends unangenehm.“
Diese Aussagen werden beispielsweise der Kategorie Sicherheit zugeordnet und anschließend gemeinsam interpretiert.
Sinnvoll, wenn
- Bedürfnisse und Perspektiven verstanden werden sollen.
- Interviews oder offene Umfrageantworten ausgewertet werden.
- Hintergründe und Beweggründe nachvollziehbar sein sollen.
- verstanden werden soll, warum Menschen etwas denken oder tun.
Nicht sinnvoll wenn
- ausschließlich Zahlen oder Häufigkeiten benötigt werden.
- sehr große Datenmengen schnell ausgewertet werden müssen.
Bei der deduktiven Inhaltsanalyse werden die Kategorien bereits vor Beginn der Auswertung festgelegt.
Die Analyse prüft anschließend, welche Aussagen zu diesen vorgegebenen Kategorien passen.
Man arbeitet also von der Theorie oder Fragestellung zu den Daten.
Beispiel
Eine Kommune möchte untersuchen, wie ein Mobilitätskonzept wahrgenommen wird.
Vorab werden Kategorien festgelegt:
- Sicherheit, Aufenthaltsqualität
- Erreichbarkeit, Barrierefreiheit
Anschließend werden alle Aussagen diesen Kategorien zugeordnet.
Sinnvoll, wenn
- eine konkrete Fragestellung beantwortet werden soll.
- bestehende Ziele, Kriterien oder Konzepte überprüft werden soll.
- Ergebnisse verschiedener Projekte verglichen werden sollen.
- eine strukturierte und gut vergleichbare Auswertung benötigt werden.
Nicht sinnvoll, wenn
- herausgefunden werden soll, welche Themen überhaupt relevant sind.
- neue oder unerwartete Erkenntnisse gesucht werden.
Bei der induktiven Inhaltsanalyse werden die Kategorien nicht vorher festgelegt.
Stattdessen entstehen sie während der Auswertung direkt aus dem Material.
Man arbeitet also von den Daten zur Theorie.
Beispiel
Interviews mit Anwohnenden werden ausgewertet und es tauchen immer wieder Aussagen auf zu:
- fehlenden Treffpunkten, fehlenden Sitzmöglichkeiten
- mangelnder Beleuchtung, schlechter Orientierung
Daraus entstehen Schritt für Schritt neue Kategorien.
Sinnvoll, wenn
- möglichst offen an die Auswertung herangegangen wird.
- wenig Vorwissen zum Thema besteht.
- neue Themen und Perspektiven entdeckt werden sollen.
Nicht sinnvoll, wenn
- bereits klare Bewertungskriterien bestehen.
- Ergebnisse direkt mit anderen Untersuchungen verglichen werden sollen.
Bei dieser Variante werden verschiedene Gruppen, Zeitpunkte oder Datenquellen miteinander verglichen.
Im Mittelpunkt steht die Frage: Wer sagt was und wo liegen Gemeinsamkeiten oder Unterschiede?
Beispiel
Eine Kommune vergleicht die Aussagen von Jugendlichen, Senior:innen und Gewerbetreibenden zum selben Stadtplatz.
Dabei zeigt sich:
- Jugendliche wünschen sich Aufenthaltsorte.
- Senior:innen wünschen sich mehr Sitzgelegenheiten.
- Gewerbetreibende wünschen sich mehr Parkplätze.
Sinnvoll, wenn
- unterschiedliche Zielgruppen verglichen werden sollen.
- Gemeinsamkeiten und Konfliktlinien sichtbar gemacht werden sollen.
- geprüft werden soll, ob verschiedene Gruppen unterschiedliche Bedürfnisse haben.
- Veränderungen über die Zeit untersucht werden sollen.
Nicht sinnvoll, wenn
- nur eine Datenquelle oder eine Zielgruppe vorhanden ist.
- keine Vergleichsfrage vorhanden ist.
Hier werden Aussagen nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit ihrem Umfeld interpretiert.
Berücksichtigt werden beispielsweise:
- räumliche Bedingungen
- soziale Situation, politische Rahmenbedingungen
- kulturelle Hintergründe, historische Entwicklungen
Die Frage lautet Warum wird etwas gesagt und in welchem Zusammenhang entsteht diese Aussage?
Beispiel
In zwei Stadtteilen wird mangelnde Sicherheit genannt.
Die Inhaltsanalyse zeigt:
- Stadtteil A: schlechte Beleuchtung
- Stadtteil B: fehlende soziale Kontrolle und Leerstand
Das gleiche Thema hat also unterschiedliche Ursachen.
Sinnvoll, wenn
- komplexe Zusammenhänge verstanden werden sollen.
- räumliche oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigt werden sollen.
- Planungs- oder Stadtentwicklungsprojekte begleitet werden.
- Ursachen statt nur Symptome verstanden werden sollen.
Nicht sinnvoll, wenn
- nur schnelle Übersichten oder Prioritätenlisten benötigt werden.
- kaum Hintergrundinformationen vorliegen.
Das gesamte Material zunächst vollständig lesen.
Dabei markieren:
- wichtige Aussagen
- wiederkehrende Begriffe
- Auffälligkeiten
- interessante Beispiele
Die Aussagen bestimmten Kategorien zuordnen.
Beispiel:
„Der Radweg ist zu schmal.“ – Radverkehr
„Die Kreuzung wirkt gefährlich.“ – Sicherheit
„Es fehlen Sitzmöglichkeiten.“ – Aufenthaltsqualität
Jede Aussage kann auch mehreren Kategorien zugeordnet werden.
Nun wird das gesamte Material systematisch durchgearbeitet. Alle relevanten Aussagen werden den passenden Kategorien zugeordnet. Dadurch entsteht eine strukturierte Übersicht über die vorhandenen Inhalte.
Anschließend analysieren:
- Welche Themen treten besonders häufig auf?
- Welche Themen treten gemeinsam auf?
- Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Gruppen?
- Welche Aussagen widersprechen sich?
Die Bedeutung der Ergebnisse diskutieren.
Leitfragen:
- Was sagen die Ergebnisse über die Situation aus?
- Welche Bedürfnisse werden sichtbar?
- Welche Handlungsbedarfe ergeben sich?
- Welche Themen sollten vertieft werden?
Die Ergebnisse zu zentralen Aussagen verdichten.
Beispiel:
Viele Teilnehmende benennen Sicherheitsprobleme im Straßenraum. Besonders häufig werden unübersichtliche Kreuzungen und fehlende Querungsmöglichkeiten genannt.
- verwendete Kategorien
- wichtigste Erkenntnisse
- Häufigkeiten
- Zitate oder Beispiele
- Handlungsempfehlungen
Geeignete Darstellungen sind:
- Tabellen, Diagramme, Infografiken
- Themencluster
- Karten
Die Erkenntnisse als Grundlage nutzen für:
- Maßnahmenentwicklung
- Priorisierung
- politische Entscheidungen
- weitere Beteiligungsprozesse
Quelle: Kerr, J., Cheers, J., Gallegos, D., Blackler, A. & Kelly, N. (2023): The Art of Co-Design. A Guide Through Creative Collaboration. BIS Publishers.
Hinweise
Tipps
- Die Kategorien möglichst klar festlegen.
- Dokumentieren, warum Aussagen bestimmten Kategorien zugeordnet wurden.
- Möglichst im Team arbeiten, um unterschiedliche Interpretationen zu diskutieren.
- Aussagekräftige Originalzitate zur Veranschaulichung nutzen.
- Regelmäßig prüfen, ob die Kategorien noch passend sind.
Ungeeignet für
- Prozesse ohne ausreichende Informationen, Beobachtungen oder Daten als Grundlage für eine gemeinsame Interpretation.
- Vorhaben mit kurzfristigem Entscheidungsbedarf.
- Fragestellungen, bei denen eine eindeutige Antwort oder ein klar vorgegebenes Ergebnis erwartet wird.
- Auswertungen, bei denen ausschließlich quantitative Kennzahlen im Vordergrund stehen.
- Gruppen mit starken Machtgefällen oder Hierarchien, die einen offenen Austausch unterschiedlicher Perspektiven erschweren.
- Gruppen ohne ausreichendes Vorwissen, um Zusammenhänge gemeinsam einordnen und reflektieren zu können.

