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Fokusgruppen

InformierenEinarbeitungVerstehen & Perspektiven sammelnAnalog1 - 3 Stundendirekte Betroffenekleine Gruppe bis 15mittlere Gruppe bis 30EinfachStrukturiert

Eine Fokusgruppe ist ein moderiertes Gruppengespräch (typisch 5–8 Personen), bei dem Einstellungen, Bedürfnisse und Reaktionen zu einem Thema explorativ erhoben werden. Der Erkenntnisgewinn entsteht nicht nur durch einzelne Aussagen, sondern durch die Interaktion der Teilnehmenden.

Ziel

Verschiedene Perspektiven und Erfahrungen sollen erfasst und als Grundlage für die Entwicklung oder Verbesserung von Maßnahmen genutzt werden. Gleichzeitig können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Teilnehmenden deutlich werden und die Bereitschaft zur Entwicklung von Lösungsansätzen ausgelotet werden.

Ablauf

  • 6-12 Personen
  • möglichst ähnliche Zielgruppe (z. B. gleiche Nutzungssituation)
  • keine starken Machtgefälle (z. B. Chef + Mitarbeitende vermeiden)
Struktur eines guten Leitfadens:
  • Einstieg (Warm-up) „Erzählen Sie kurz von Ihrer letzten Erfahrung mit ...“
  • Exploration „Was hat gut funktioniert?“, „Was hat dich gestört?“
  • Vertiefung „Warum war das so?“ „Was genau war schwierig?“
  • Konfrontation / Priorisierung „Was wäre dir wichtiger: X oder Y?“, „Was würdest du als erstes ändern?“

Regeln:

  • max. 6–8 Kernfragen
  • offene Fragen (keine Ja/Nein-Fragen)
  • keine Suggestion („Findest du auch, dass…?“ vermeiden)
  • Dauer: 60–90 Minuten
  • Raum: ruhig, neutral
  • Aufzeichnung (Audio/Video) + Einverständnis
  • ggf. Incentive für Teilnehmende

Die Moderation ist neutral, strukturierend, aktiv steuernd (nicht passiv!). Sie ist nicht Diskussionspartner:in, bewertend oder Expert:in.

Konkrete Moderationstechniken
  • Dominante Personen bremsen:„Danke, ich würde gern noch andere Perspektiven hören.“
  • Stille Teilnehmende aktivieren:„Wie siehst du das?“„Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?“
  • Vertiefung erzwingen: „Warum genau?“ (mehrfach nachfragen!) „Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?“
  • Spiegeln zur Klärung:„Du meinst also, dass…?“
  • Widersprüche nutzen:„Interessant, ihr seht das unterschiedlich – woran liegt das?“
  • Begrüßung + Ziel erklären (5 Min)
  • Warm-up (10 Min)
  • Hauptteil Diskussion (40–60 Min)
  1. Start der Diskussion
    Die Moderation stellt eine erste Frage oder These. Alle Teilnehmenden werden der Reihe nach gebeten, sich dazu zu äußern.
  2. Diskussion
    Anschließend tauschen sich die Teilnehmenden offen aus. Sie können die Beiträge der anderen kommentieren, ergänzen oder auch ihre eigenen Aussagen überdenken und anpassen.
  3. Vertiefung
    Je nach Zeitplan können mehrere Fragen oder Themen nacheinander behandelt werden.
  • Zusammenfassung + letzte Gedanken (10–15 Min)

Die Auswertung, ist das, was den Prozess inhaltlich weiterbringt. Reine Zusammenfassungen vermeiden, sondern Muster erkennen und ableiten.

  • Transkript oder Notizen erstellen
  • Aussagen in Themen clustern (z. B. „Usability“, „Vertrauen“, „Zeitaufwand“)

Darauf achten:

  • Wiederholungen („das kam 5x vor“)
  • starke Emotionen („extrem genervt“)
  • Widersprüche (sehr wertvoll!)
Zitate extrahieren
  • prägnante Aussagen festhalten
  • wichtig für Kommunikation & Überzeugung

Nicht: „Nutzende finden es kompliziert“

Sondern:

  • Onboarding ist zu lang → reduzieren
  • Feature X wird nicht verstanden → entfernen oder erklären

Quelle: https://mobilitaetsplanung-hessen.de/methodenkoffer-partizipative-planung/

Hinweise

Tipps

  • Darauf achten, eine diverse Gruppe zusammensetzen, um unterschiedliche Lebensrealitäten einzubeziehen.
  • Die Teilnehmenden sollten sich idealerweise nicht oder nur oberflächlich kennen, um bestimmte Gruppendynamiken zu vermeiden.
  • Die Fragestellung offen und verständlich formulieren, aber nicht suggestiv, sodass unterschiedliche Perspektiven Raum bekommen. (lieber tiefe, statt breite Fragen)
  • Darauf achten, dass ein respektoller Dialog im Diskurs entstehen kann und keine langen Einzelbeiträge dominieren.
  • Möglichst auf Mikrofone verzichten, damit keine Stimmen hervorgehoben werden und alle sich gleich gut verstehen können.
  • Im Austausch darauf achten, dass möglichst alle zu Wort kommen. (aktiv moderieren, Redeanteil steuern)
  • Aussagen kritisch hinterfragen (soziale Erwünschtheit)

Ungeeignet für

  • Entscheidungsprozesse, da keine klaren Mehrheiten sichtbar werden
  • Situationen, in denen konkrete Ergebnisse oder Beschlüsse erwartet werden
  • zu große Gruppen
  • Räume mit schlechter Akustik oder eingeschränkter Verständlichkeit

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Community Mapping (kartenbasiertes Verfahren)

Community Mapping ist ein Beteiligungsformat, bei dem Menschen ihre Wahrnehmung eines Gebiets mithilfe von Karten oder Zeichnungen sichtbar machen. Dabei markieren sie wichtige Orte, häufig genutzte Wege, Barrieren oder problematische Situationen im Alltag. So werden lokale Erfahrungen und Bedürfnisse gesammelt und räumlich verortet.

SpielerischAktivierend

World-Café

Das World-Café ist ein Beteiligungsformat, das den offenen Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ideen ermöglicht. Die Teilnehmenden diskutieren dabei in kleinen Gruppen an mehreren Tischen zu vorbereiteten Fragen. Durch regelmäßige Tischwechsel entstehen neue Gesprächskonstellationen, wodurch Gedanken weiterentwickelt, Perspektiven verbunden und gemeinsame Ideen sichtbar werden. Die Atmosphäre orientiert sich bewusst an einem Café: offen, informell und einladend. Dadurch eignet sich die Methode besonders gut, um viele Menschen niedrigschwellig in einen Dialog einzubeziehen und gemeinsames Nachdenken anzuregen. Ein World-Café kann eigenständig stattfinden oder Teil einer größeren Veranstaltung sein.

StrukturiertAktivierend

Zukunftwerkkstatt

Die Zukunftswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam Probleme analysieren, Zukunftsvisionen entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte ableiten. Die Methode verbindet kreatives Denken mit praktischer Planung und eignet sich besonders für Themen, bei denen neue Ideen und langfristige Perspektiven gefragt sind. Die Zukunftswerkstatt ist in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert: Kritikphase, Utopiephase und Realisierungsphase. Durch diesen klaren Ablauf wechseln die Teilnehmenden bewusst zwischen Kritik, Vision und konkreter Umsetzung. Dadurch entstehen oft kreative und gemeinschaftlich entwickelte Lösungsansätze.

AktivierendKreativ
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