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Aktivierende Befragung

InformierenEinarbeitungVerstehen & Perspektiven sammelnAnalog1 - 3 Stundendirekte Betroffenekleine Gruppe bis 15StrukturiertAktivierend

Die aktivierende Befragung ist eine offene Methode, bei der Bürgerinnen und Bürger zu ihren Meinungen und Einstellungen befragt werden. Gleichzeitig werden sie dazu angeregt, sich aktiv einzubringen und an der Entwicklung von Lösungen in ihrem Wohnumfeld mitzuwirken.

Ziel

Ziel ist es, Ängste, Wünsche und Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner zu erfassen und zugleich konkrete Lösungsvorschläge zu sammeln. Darüber hinaus sollen die Teilnehmenden ermutigt werden, ihre Interessen zu vertreten und sich aktiv in weitere Prozesse einzubringen.

Wann sinnvoll?

  • als Einstieg in längere Beteiligungsprozesse
  • bei Veränderungen im Wohnumfeld oder öffentlichen Raum
  • wenn bisher wenig über Bedürfnisse der Menschen bekannt ist
  • wenn unterschiedliche Interessen oder Spannungen sichtbar werden
  • um Menschen direkt in ihrem Alltag zu erreichen
  • wenn klassische Veranstaltungen nur wenige Menschen erreichen würden

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn ausschließlich quantitative Daten benötigt werden
  • bei sehr großen Untersuchungsgebieten ohne ausreichende Ressourcen
  • wenn keine Kapazitäten für Auswertung und Nachbereitung vorhanden sind 

Ablauf

Zunächst möglichst konkret definieren:

  • Warum wird die Befragung durchgeführt?
  • Welche Informationen werden benötigt?
  • Wie werden die Ergebnisse später genutzt?
  • Welche Themen sollen angesprochen werden?
  • Welche Menschen sollen erreicht werden?
  • Welche Gruppen fehlen bisher häufig in Beteiligungsprozessen?
  • Welche möglichen Konflikte oder sensiblen Themen gibt es?

Hilfreich ist es, bereits vorab festzulegen:

  • Welche Fragen offen diskutiert werden können
  • Wo bereits Rahmenbedingungen oder Grenzen bestehen

Diese sollten möglichst transparent kommuniziert werden.

Legen Sie fest, in welchem Gebiet die Befragung stattfindet.

Das Gebiet sollte so gewählt werden, dass:

  • die Befragung organisatorisch umsetzbar bleibt
  • möglichst unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden
  • relevante Orte und Betroffenheiten berücksichtigt werden

Überlegung:

  • Wo halten sich Menschen auf?
  • Welche Orte eignen sich besonders gut für Gespräche?
  • Welche Gruppen sind schwer erreichbar?

Oft sinnvoll:

  • Haustürgespräche
  • Befragungen auf öffentlichen Plätzen
  • Gespräche vor Schulen, Supermärkten oder Haltestellen

Vor der eigentlichen Befragung hilft es, sich ein erstes Bild des Gebiets zu verschaffen.

Dafür können genutzt werden:

  • Stadtteilspaziergänge
  • Gespräche mit lokalen Initiativen oder Vereinen
  • vorhandene Daten oder Planungsunterlagen

Dabei besonders auf Folgendes achten:

  • Treffpunkte
  • Konfliktorte
  • Barrieren
  • unterschiedliche Nutzungen des Raums
  • soziale Strukturen

Die Gespräche sollten offen geführt werden. Verwende möglichst offene Fragen, die Menschen zum Erzählen einladen.

Geeignete Einstiegsfragen:

  • „Wie erleben Sie das Viertel aktuell?“
  • „Was funktioniert hier gut?“
  • „Was stört Sie im Alltag?“
  • „Welche Veränderungen wünschen Sie sich?“
  • „Welche Orte meiden Sie und warum?“
  • „Was sollte hier unbedingt erhalten bleiben?“

zu vermeiden:

  • Suggestivfragen („Finden Sie nicht auch, dass ...?“
  • Fachsprache
  • komplizierte Formulierungen
  • Ja-/Nein-Fragen als Hauptteil des Gesprächs

Außerdem planen:

  • kurze Informationssätze zum Projekt
  • Antworten auf mögliche Rückfragen
  • Umgang mit Kritik oder Frustration

Im Rahmen des Ortsteilfests in Herberhausen wurde das eigens entwickelte Kartenspiel „Von A nach B“ eingesetzt. Ziel war es, mit Bürger:innen über ihr alltägliches Mobilitätsverhalten ins Gespräch zu kommen und dabei Erfahrungen, Gewohnheiten und Herausforderungen sichtbar zu machen. Statt abstrakte Fragen zur Mobilität zu stellen, knüpfte die Methode an den persönlichen Alltag der Teilnehmenden an.

Die Teilnehmenden wurden gebeten, ihren zurückliegenden Tagesablauf anhand von Karten nachzuerzählen. Dabei legten sie nacheinander Karten mit verschiedenen Orten, Aktivitäten und Verkehrsmitteln aus und stellten so ihre individuellen Wege dar. Währenddessen stellte die Moderation offene Rückfragen, beispielsweise zu Gründen für die Wahl bestimmter Verkehrsmittel, zu Problemen auf einzelnen Strecken oder zu Wünschen für zukünftige Verbesserungen.
Durch das gemeinsame Auslegen der Karten entstand Schritt für Schritt ein visuelles Mobilitätsbild, das den persönlichen Tagesverlauf nachvollziehbar machte. Die fertigen Kartenbilder wurden fotografisch dokumentiert und konnten anschließend ausgewertet und miteinander verglichen werden.

Die aktivierende Befragung sollte nicht nur Antworten auf vorbereitete Fragen liefern, sondern die Teilnehmenden dazu anregen, ihre eigenen Erfahrungen ausführlich zu erzählen. Der persönliche Tagesablauf bot dafür einen vertrauten Einstieg und erleichterte den Zugang zu einem komplexen Thema wie Mobilität. Gleichzeitig entstand durch die Visualisierung ein gemeinsamer Gesprächsanlass, der Nachfragen ermöglichte und Zusammenhänge sichtbar machte.

Das Erzählen konkreter Alltagssituationen fiel den Teilnehmenden deutlich leichter als die Beantwortung allgemeiner Fragen zum Mobilitätsverhalten. Durch die Karten entwickelten sich natürliche Gespräche, in denen häufig auch Probleme oder Bedürfnisse zur Sprache kamen, die im Vorfeld nicht abgefragt worden waren. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Methode ausreichend Zeit benötigt, da jeder Tagesablauf individuell erzählt und gemeinsam nachvollzogen wird. Besonders wertvoll waren die vertiefenden Nachfragen, die zusätzliche Informationen über Beweggründe und Gewohnheiten lieferten.

Für die Durchführung sollte eine ruhige Gesprächssituation geschaffen werden, in der sich die Teilnehmenden auf ihren Tagesablauf konzentrieren können. Die Karten sollten einfach verständlich und logisch aufgebaut sein, damit sie intuitiv genutzt werden können. Da die Methode vom persönlichen Austausch lebt, empfiehlt es sich, jeweils nur eine Person oder eine kleine Gruppe gleichzeitig zu begleiten. Außerdem sollte genügend Zeit für Rückfragen eingeplant werden, da gerade diese häufig die aufschlussreichsten Erkenntnisse liefern.

Die Bewohner:innen frühzeitig über die Befragung informieren.

Wichtig:

  • Wer führt die Befragung durch?
  • Warum findet sie statt?
  • Wie werden die Ergebnisse genutzt?
  • Wie lange dauert ein Gespräch?
  • Ist die Teilnahme freiwillig?

Mögliche Kanäle:

  • Briefe
  • Aushänge
  • Social Media
  • lokale Einrichtungen

Die Gespräche finden persönlich statt, häufig direkt im Wohnumfeld der Menschen.

Wichtig ist ein offener und respektvoller Einstieg.

Beispiel:
„Hallo, wir sprechen gerade mit Bewohner:innen über ihre Erfahrungen und Wünsche für das Viertel. Haben Sie etwa 20 bis 30 Minuten Zeit für ein Gespräch?“

Darauf achten:

  • freundlich und niedrigschwellig aufzutreten
  • keine Diskussion zu erzwingen
  • Ablehnung respektvoll anzunehmen
  • verständlich zu sprechen

Die Gespräche orientieren sich am Leitfaden, sollen aber möglichst natürlich wirken.

Die Befragenden hören aktiv zu und geben Raum für persönliche Erfahrungen und zusätzliche Themen.

Wichtig:

  • nicht unterbrechen
  • Aussagen nicht bewerten
  • aufmerksam nachfragen
  • Unsicherheiten ernst nehmen

Hilfreiche Nachfragen:

  • „Können Sie das genauer beschreiben?“
  • „Wie wirkt sich das auf Ihren Alltag aus?“
  • „Seit wann erleben Sie das so?“
  • „Was wäre für Sie eine gute Lösung?“

Die Gespräche dauern meist etwa 20–30 Minuten.

Idealerweise sind mindestens zwei Personen gemeinsam unterwegs:

  • eine Person führt das Gespräch
  • eine dokumentiert

Am Ende des Gesprächs werden die Teilnehmenden zu einer Folgeveranstaltung oder weiteren Beteiligung eingeladen.

Wichtig:

  • transparent erklären, wie es weitergeht
  • keine falschen Erwartungen wecken
  • Beteiligungsmöglichkeiten klar benennen

Beispiel:
„Die Ergebnisse werden gesammelt und bei einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Dort können die Themen gemeinsam weiter diskutiert werden.“

Nach den Gesprächen werden Aussagen und Themen gesammelt und strukturiert.

Mögliche Kategorien:

  • Verkehr
  • Sicherheit
  • Aufenthaltsqualität
  • Grünflächen
  • soziale Themen
  • Barrieren

Zu beachten:

  • wiederkehrende Themen sichtbar zu machen
  • unterschiedliche Perspektiven nicht zu vereinheitlichen
  • Konflikte und Widersprüche mitzudenken

Zu analysieren:

  • Welche Themen besonders häufig genannt wurden
  • Welche Bedürfnisse oder Konflikte sichtbar werden
  • Welche Ideen oder Vorschläge eingebracht wurden
  • Welche Gruppen oder Perspektiven möglicherweise fehlen

Die Ergebnisse sollten öffentlich vorgestellt werden.

Wichtig ist, dass sichtbar wird:

  • was gehört wurde
  • welche Themen weiterbearbeitet werden
  • welche nächsten Schritte folgen

Die Veranstaltung sollte Austausch ermöglichen und nicht nur Ergebnisse präsentieren.

Quelle: https://mobilitaetsplanung-hessen.de/methodenkoffer-partizipative-planung/

Hinweise

Tipps

  • Darauf achten, auch Menschen einzubeziehen, die sich sonst selten beteiligen. 
  • Ausreichend Zeit für Gespräche und Nachbereitung einplanen.
  • Eine wertschätzende und geduldige Gesprächsführung ist entscheidend.
  • Die Methode funktioniert besonders gut, wenn Menschen merken, dass ihre Aussagen ernst genommen und weiterverarbeitet werden.

Ungeeignet für

  • kurzfristig konkrete Entscheidungen getroffen werden müssen
  • kein echter Handlungsspielraum besteht

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Community Mapping (kartenbasiertes Verfahren)

Community Mapping ist ein Beteiligungsformat, bei dem Menschen ihre Wahrnehmung eines Gebiets mithilfe von Karten oder Zeichnungen sichtbar machen. Dabei markieren sie wichtige Orte, häufig genutzte Wege, Barrieren oder problematische Situationen im Alltag. So werden lokale Erfahrungen und Bedürfnisse gesammelt und räumlich verortet.

SpielerischAktivierend

World-Café

Das World-Café ist ein Beteiligungsformat, das den offenen Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ideen ermöglicht. Die Teilnehmenden diskutieren dabei in kleinen Gruppen an mehreren Tischen zu vorbereiteten Fragen. Durch regelmäßige Tischwechsel entstehen neue Gesprächskonstellationen, wodurch Gedanken weiterentwickelt, Perspektiven verbunden und gemeinsame Ideen sichtbar werden. Die Atmosphäre orientiert sich bewusst an einem Café: offen, informell und einladend. Dadurch eignet sich die Methode besonders gut, um viele Menschen niedrigschwellig in einen Dialog einzubeziehen und gemeinsames Nachdenken anzuregen. Ein World-Café kann eigenständig stattfinden oder Teil einer größeren Veranstaltung sein.

StrukturiertAktivierend

Zukunftwerkkstatt

Die Zukunftswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam Probleme analysieren, Zukunftsvisionen entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte ableiten. Die Methode verbindet kreatives Denken mit praktischer Planung und eignet sich besonders für Themen, bei denen neue Ideen und langfristige Perspektiven gefragt sind. Die Zukunftswerkstatt ist in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert: Kritikphase, Utopiephase und Realisierungsphase. Durch diesen klaren Ablauf wechseln die Teilnehmenden bewusst zwischen Kritik, Vision und konkreter Umsetzung. Dadurch entstehen oft kreative und gemeinschaftlich entwickelte Lösungsansätze.

AktivierendKreativ
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