Methode
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Interview

InformierenEinarbeitungVerstehen & Perspektiven sammelnAnalogDigital> 1 Stundedirekte Betroffeneschwer erreichbare Gruppenkleine Gruppe bis 15EinfachStrukturiert

Interviews sind eine flexible Methode, um Meinungen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Perspektiven von Menschen zu erfassen. Sie eignen sich besonders, um persönliche Sichtweisen besser zu verstehen und detaillierte Informationen zu sammeln. Interviews können persönlich, telefonisch oder digital durchgeführt werden. Je nach Ziel kann ein Interview stärker strukturiert oder offen geführt werden. Besonders häufig werden semistrukturierte Interviews genutzt: Dabei gibt es einen Leitfaden, gleichzeitig bleibt genug Raum für freie Antworten und spontane Nachfragen.

Ziel

Ziel eines Interviews ist es, persönliche Erfahrungen, Einschätzungen und Bedürfnisse von Menschen besser zu verstehen. Durch offene Gespräche können Themen sichtbar werden, die in größeren Gruppen oft nicht angesprochen werden. Interviews helfen dabei, detaillierte Einblicke in Lebensrealitäten, Herausforderungen und Perspektiven zu gewinnen und diese für weitere Planungs- oder Beteiligungsprozesse nutzbar zu machen.

Wann sinnvoll?

  • wenn persönliche Erfahrungen oder Sichtweisen wichtig sind
  • wenn sensible Themen besprochen werden sollen
  • um Bedürfnisse und Meinungen genauer zu verstehen
  • als Vorbereitung für größere Beteiligungsprozesse
  • wenn gezielt bestimmte Personen oder Gruppen befragt werden sollen

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn sehr viele Menschen gleichzeitig beteiligt werden sollen
  • wenn schnelle und rein quantitative Ergebnisse benötigt werden
  • wenn kein ausreichend geschützter Gesprächsrahmen möglich ist

Ablauf

Zuerst überlegen:

  • Welche Informationen sollen gesammelt werden?
  • Welche Personen sollen befragt werden?
  • Welche Themen sind besonders wichtig?

Festlegen:

  • ob eher offene oder strukturierte Gespräche geführt werden sollen
  • wie die Ergebnisse später genutzt werden

Einen Interviewleitfaden mit verständlichen Fragen vorbereiten.

Besonders gut eignen sich offene Fragen, zum Beispiel:

  • „Wie erleben Sie die Situation aktuell?“
  • „Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Alltag?“
  • „Welche Veränderungen wünschen Sie sich?“

Suggestivfragen „Finden Sie auch, dass ...?“ und Ja/Nein Fragen vermeiden.

Außerdem planen:

  • Einstiegsfragen
  • mögliche Nachfragen
  • einen verständlichen Gesprächsabschluss
  • einen ruhigen und angenehmen Gesprächsort, eine vertrauliche Atmosphäre
  • ausreichend Zeit

Falls digital gearbeitet wird:

  • teste die Technik vorher
  • plane Unterstützung bei technischen Problemen ein

Im Rahmen des Stadtkontakt.mobil am Gasthaus „Zur Ortmühle“ wurde der parallel stattfindende Mittagstisch genutzt, um mit den Anwesenden ins Gespräch zu kommen. Neben informellen Gesprächen kamen auch semi-strukturierte Interviews zum Einsatz. Ziel war es, die Einstellungen, Erfahrungen und Bedürfnisse der Bürger:innen in Bezug auf Smart City und Beteiligung besser zu verstehen.

Die Gespräche orientierten sich an einem vorbereiteten Interviewleitfaden mit offenen Fragen. Gleichzeitig blieb genügend Raum, um auf individuelle Antworten einzugehen und interessante Themen zu vertiefen. Als Gesprächseinstieg wurden Bildkarten eingesetzt, die unterschiedliche Situationen oder Themen aus dem Bereich Smart City zeigten. Die Bilder erleichterten den Zugang zu teilweise abstrakten Fragestellungen und regten die Teilnehmenden dazu an, eigene Erfahrungen und Meinungen zu schildern.

Je nach Gesprächsverlauf konnte die Reihenfolge der Fragen angepasst oder durch vertiefende Rückfragen ergänzt werden. Dadurch entstanden individuelle Gespräche, die sowohl vergleichbare Aussagen als auch persönliche Sichtweisen lieferten.

Das semi-strukturierte Interview verbindet eine klare thematische Struktur mit der Offenheit eines persönlichen Gesprächs. So können einerseits Informationen zu vorher definierten Fragestellungen erhoben werden, andererseits erhalten die Teilnehmenden ausreichend Raum, eigene Erfahrungen, Wünsche und Kritik einzubringen. Besonders bei komplexen oder erklärungsbedürftigen Themen ermöglicht diese Methode tiefere Einblicke als standardisierte Befragungen.

Der Einsatz von Bildmaterial erleichterte den Einstieg in die Gespräche deutlich und half dabei, abstrakte Themen verständlicher zu machen. Viele Teilnehmende berichteten anhand der Bilder von eigenen Alltagserfahrungen, wodurch sich neue Themen ergaben, die im ursprünglichen Leitfaden nicht vorgesehen waren. Gleichzeitig zeigte sich, dass persönliche Interviews zwar besonders aussagekräftige Ergebnisse liefern, aber deutlich mehr Zeit benötigen als kurze Befragungen. Die Anzahl der geführten Interviews hängt deshalb stark von der verfügbaren Zeit und der Besucherzahl ab.

Die Fragen sollten offen formuliert sein und genügend Raum für individuelle Antworten lassen. Bildmaterial sollte leicht verständlich und möglichst alltagsnah gewählt werden. Ein lockerer Gesprächseinstieg ohne Fachbegriffe erleichtert den Aufbau einer vertrauensvollen Gesprächssituation. Zudem sollte genügend Zeit für Rückfragen und vertiefende Gespräche eingeplant werden, da gerade diese häufig besonders wertvolle Erkenntnisse liefern.

Zu Beginn erklären:

  • Ziel des Interviews
  • Dauer
  • Umgang mit den Informationen, ob dokumentiert oder aufgenommen wird. Sicher stellen, dass eine Einverständniserklärung für mögliche Tonaufnahmen vorliegt.

Wichtig:
Die Teilnehmenden sollten wissen, dass ihre Aussagen vertraulich behandelt werden.

Das Interview orientiert sich am Leitfaden, sollte aber möglichst natürlich wirken.

Wichtig:

  • aktiv zuhören
  • nicht unterbrechen
  • offene Nachfragen stellen
  • Raum für neue Themen lassen

Hilfreiche Nachfragen:

  • „Können Sie das genauer beschreiben?“
  • „Wie wirkt sich das auf Ihren Alltag aus?“
  • „Warum ist das für Sie wichtig?“

Es ist in Ordnung wenn einwenig von deinem Leitfaden abgewichen wird, machmal können persönliche Erzählungen der Befragten auch viel über ihre alltägliche Situation verraten. Es sollte aber immer ein thematischer Bezug hergestellt werden.

Zum Ende fragen:

  • ob noch etwas ergänzt werden möchte
  • welche Themen aus Sicht der Person besonders wichtig sind

Für die Teilnahme bedanken und kurz die nächsten Schritte erklären.

Zentrale Aussagen und Themen schriftlich möglichst zeitnah nach dem Gespräch festhalten.

Das kann erfolgen durch:

  • Notizen, Transkriptionen, Zusammenfassungen

Analysieren:

  • wiederkehrende Themen
  • Unterschiede zwischen Perspektiven
  • Konflikte oder Bedarfe
  • häufig genannte Wünsche oder Probleme

Die Ergebnisse können anschließend:

  • in Planungsprozesse einfließen
  • Grundlage für Workshops sein
  • in weiteren Beteiligungsformaten vertieft werden

Quelle: https://mobilitaetsplanung-hessen.de/methodenkoffer-partizipative-planung/

Hinweise

Tipps

  • Möglichst offene und verständliche Fragen nutzen.
  • Auf eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre achten.
  • Genug Raum für spontane Themen und persönliche Erfahrungen lassen.
  • Wichtiger als viele Fragen ist oft ein gutes Zuhören.
  • Ausreichend Zeit für Dokumentation und Auswertung einplanen.

Ungeeignet für

  • große Gruppenveranstaltungen
  • schnelle Abstimmungen oder Entscheidungen
  • Themen, bei denen ausschließlich statistische Daten benötigt werden

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Workshop

Ein Workshop ist ein moderiertes Arbeitsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam eine Fragestellung bearbeiten, Ideen entwickeln oder Lösungen erarbeiten. Je nach Ziel können Informationen vermittelt, Probleme analysiert oder konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Durch die aktive Mitarbeit aller Beteiligten eignet sich die Methode besonders für die gemeinsame Entwicklung von Ergebnissen.

KreativAktivierend

Fokusgruppen

Eine Fokusgruppe ist ein moderiertes Gruppengespräch (typisch 5–8 Personen), bei dem Einstellungen, Bedürfnisse und Reaktionen zu einem Thema explorativ erhoben werden. Der Erkenntnisgewinn entsteht nicht nur durch einzelne Aussagen, sondern durch die Interaktion der Teilnehmenden.

EinfachStrukturiert

Zukunftwerkkstatt

Die Zukunftswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam Probleme analysieren, Zukunftsvisionen entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte ableiten. Die Methode verbindet kreatives Denken mit praktischer Planung und eignet sich besonders für Themen, bei denen neue Ideen und langfristige Perspektiven gefragt sind. Die Zukunftswerkstatt ist in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert: Kritikphase, Utopiephase und Realisierungsphase. Durch diesen klaren Ablauf wechseln die Teilnehmenden bewusst zwischen Kritik, Vision und konkreter Umsetzung. Dadurch entstehen oft kreative und gemeinschaftlich entwickelte Lösungsansätze.

AktivierendKreativ
Gemerkte Methoden0 Methoden

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