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Citizen Science

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Citizen Science beschreibt die aktive Beteiligung von Bürger:innen an wissenschaftlichen oder wissensbasierten Projekten. Dabei sind die Teilnehmenden nicht nur Befragte, sondern wirken selbst am Forschungsprozess mit. Beispielsweise bei der Entwicklung von Fragestellungen, der Datensammlung, der Auswertung oder der Veröffentlichung von Ergebnissen. Die Methode verbindet wissenschaftliches Arbeiten mit lokalem Wissen und praktischen Erfahrungen. Dadurch können große Datenmengen erhoben, neue Perspektiven eingebunden und Forschungsvorhaben enger mit gesellschaftlichen Fragestellungen verknüpft werden.

Ziel

Citizen Science ermöglicht es, wissenschaftliche Fragestellungen gemeinsam mit Bürger:innen zu bearbeiten. Ziel ist es, neues Wissen zu schaffen, Daten zu erheben oder bestehende Zusammenhänge besser zu verstehen. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden aktiv in Forschungs- und Entwicklungsprozesse eingebunden und erhalten Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten.

Wann sinnvoll?

  • lokale Erfahrungen und Fachwissen zusammengeführt werden sollen.
  • große Datenmengen erhoben werden müssen.
  • Menschen langfristig eingebunden werden sollen.
  • wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam entwickelt werden sollen.
  • komplexe Themen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden sollen.

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn Ergebnisse sehr kurzfristig benötigt werden.
  • wenn kein echter Mitgestaltungsspielraum besteht.
  • wenn keine Ressourcen für Betreuung und Qualitätssicherung vorhanden sind.
  • wenn sensible Daten erhoben werden und die Anforderungen an Datenschutz oder Ethik nicht erfüllt werden können.

Ablauf

Zu Beginn wird definiert, welche Fragestellung untersucht werden soll.

Mögliche Leitfragen:

  • Was soll herausgefunden werden?
  • Welches Problem soll besser verstanden werden?
  • Welche Daten werden benötigt?
  • Welchen Mehrwert soll das Projekt erzeugen?

Die Fragestellung sollte klar, verständlich und realistisch bearbeitbar sein.

Festlegen, an welchen Stellen Bürger:innen beteiligt werden.

Mögliche Beteiligungsbereiche:

  • Entwicklung der Forschungsfrage
  • Auswahl der Methoden
  • Datensammlung
  • Datenauswertung
  • Interpretation der Ergebnisse
  • Veröffentlichung
  • Projektsteuerung

Je früher die Beteiligung beginnt, desto größer ist der Gestaltungsspielraum.

Überlegen, welche Personen besonders relevante Erfahrungen oder Kenntnisse mitbringen.

Mögliche Gruppen:

  • Anwohnende
  • Jugendliche
  • Senior:innen
  • Vereine
  • Fachinitiativen
  • Schulen
  • Interessierte Bürger:innen

Alle Beteiligten sollten wissen:

  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Wer trifft Entscheidungen?
  • Wer unterstützt bei Fragen?
  • Wie erfolgt die Kommunikation?

Eine transparente Rollenverteilung schafft Vertrauen und Orientierung.

Vor Beginn sollte geklärt werden:

  • Welche Daten werden erhoben?
  • Wie werden sie gespeichert?
  • Wer hat Zugriff?
  • Wie erfolgt die spätere Veröffentlichung?

Zu Beginn erhalten die Teilnehmenden eine Einführung in das Projekt.

Dabei werden erklärt:

  • Ziele des Projekts und Zeitplan
  • Arbeitsweise
  • Aufgaben
  • Dokumentation und Datenschutz

Falls notwendig werden Schulungen angeboten, damit alle Beteiligten die Methoden sicher anwenden können.

Die Art der Datenerhebung richtet sich nach der Forschungsfrage. Sollen Meinungen erfasst werden, bieten sich Interviews oder Umfragen an. Geht es um die Nutzung von Orten, können Beobachtungen, Kartierungen oder Fotodokumentationen eingesetzt werden. Wichtig ist, dass die Methode für die Teilnehmenden verständlich ist und die Daten vergleichbar erhoben werden können.

Je nach Projekt sammeln die Teilnehmenden Daten.

Beispiel:
Soll untersucht werden, welche Orte in einem Quartier als unsicher wahrgenommen werden, können Bürger:innen problematische Orte fotografieren (Photo Voice), diese auf einer Karte markieren (Community Mapping) und ihre Beobachtungen in kurzen Notizen dokumentieren.

Die Datenerhebung sollte möglichst einfach und nachvollziehbar gestaltet werden. Hier können viele Methoden aus der Methodensammlung passen.

Die gesammelten Informationen werden regelmäßig überprüft.

Dabei wird sichergestellt:

  • Sind die Daten vollständig?
  • Sind sie nachvollziehbar dokumentiert?
  • Gibt es Fehler oder Unklarheiten?

Eine gute Qualitätssicherung erhöht die Aussagekraft der Ergebnisse.

Je nach Projekt können die Teilnehmenden auch an der Analyse beteiligt werden.

Mögliche Fragen:

  • Welche Muster sind erkennbar?
  • Welche Unterschiede zeigen sich?
  • Welche Zusammenhänge fallen auf?
  • Welche Ergebnisse überraschen?

Die gemeinsame Auswertung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischem Erfahrungswissen.

Die Ergebnisse werden gemeinsam diskutiert und eingeordnet.

Dabei können unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden:

  • Was bedeuten die Ergebnisse?
  • Welche Schlussfolgerungen lassen sich ziehen?
  • Welche offenen Fragen bleiben bestehen?

Die Erkenntnisse werden verständlich aufbereitet und veröffentlicht.

Mögliche Formate:

  • Berichte,Vorträge, wissenschaftliche Publikationen
  • Webseiten
  • Ausstellungen, Veranstaltungen

Die Ergebnisse sollten möglichst allen Beteiligten zugänglich gemacht werden.

Die Teilnehmenden erhalten Rückmeldung darüber:

  • Was wurde erreicht?
  • Welche Erkenntnisse entstanden?
  • Wie werden die Ergebnisse genutzt?

Dadurch wird sichtbar, welchen Beitrag die Mitwirkung geleistet hat.

Zum Abschluss wird reflektiert:

  • Wurden die Ziele erreicht?
  • Welche Erfahrungen wurden gemacht?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was sollte verbessert werden?

Viele Citizen-Science-Projekte führen zu weiteren Aktivitäten.

Beispiele:

  • Fortführung der Datenerhebung
  • Entwicklung neuer Forschungsfragen
  • Aufbau lokaler Netzwerke
  • politische oder planerische Maßnahmen

Quelle: https://partizipation.at/partizipation-anwenden/methoden/

Hinweise

Tipps

  • Wissenschaftliche Inhalte verständlich formulieren.
  • Ergebnisse regelmäßig zurückmelden.
  • Mitwirkende sichtbar wertschätzen.
  • Datenerhebung möglichst einfach gestalten.
  • Bereits zu Beginn überlegen, wie die Ergebnisse später genutzt werden.
  • Transparenz und Offenheit während des gesamten Projekts sicherstellen.

Ungeeignet für

  • Forschungsvorhaben, bei denen keine echte Beteiligung am Forschungsprozess möglich ist.
  • Projekte mit kurzfristigem Bedarf an Ergebnissen oder Entscheidungen.
  • Fragestellungen, die bereits vollständig beantwortet sind und bei denen lediglich Zustimmung eingeholt werden soll.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

World-Café

Das World-Café ist ein Beteiligungsformat, das den offenen Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ideen ermöglicht. Die Teilnehmenden diskutieren dabei in kleinen Gruppen an mehreren Tischen zu vorbereiteten Fragen. Durch regelmäßige Tischwechsel entstehen neue Gesprächskonstellationen, wodurch Gedanken weiterentwickelt, Perspektiven verbunden und gemeinsame Ideen sichtbar werden. Die Atmosphäre orientiert sich bewusst an einem Café: offen, informell und einladend. Dadurch eignet sich die Methode besonders gut, um viele Menschen niedrigschwellig in einen Dialog einzubeziehen und gemeinsames Nachdenken anzuregen. Ein World-Café kann eigenständig stattfinden oder Teil einer größeren Veranstaltung sein.

StrukturiertAktivierend

Workshop

Ein Workshop ist ein moderiertes Arbeitsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam eine Fragestellung bearbeiten, Ideen entwickeln oder Lösungen erarbeiten. Je nach Ziel können Informationen vermittelt, Probleme analysiert oder konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Durch die aktive Mitarbeit aller Beteiligten eignet sich die Methode besonders für die gemeinsame Entwicklung von Ergebnissen.

KreativAktivierend

Planungswerkstatt

Die Planungswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Bürger:innen gemeinsam mit Fachpersonen, Verwaltung oder Politik an konkreten Planungen arbeiten. In Workshops werden Ideen, Probleme und Vorschläge gesammelt, diskutiert und direkt auf Karten, Plänen oder Modellen sichtbar gemacht. Die Methode eignet sich besonders für Stadtentwicklungs- oder Gestaltungsprozesse, bei denen Menschen ihre Erfahrungen und Vorstellungen aktiv in die Planung einbringen sollen.

AktivierendKreativ

Bürgerforum

Das Bürgerforum ist ein Beteiligungsformat, das den Austausch zwischen Bürger:innen, Politik, Verwaltung und weiteren relevanten Akteur:innen ermöglicht. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, gemeinsam Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Durch die Kombination aus Präsenzveranstaltungen und digitalen Austauschformaten kann eine größere Anzahl an Menschen über einen längeren Zeitraum eingebunden werden.

StrukturiertAktivierend
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