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Restaurant Day

InformierenEinarbeitungVerstehen & Perspektiven sammelnAnalog1 Tagdirekte Betroffeneinteressierte Öffentlichkeitschwer erreichbare Gruppenorganisierte Akteur:innenmittlere Gruppe bis 30große Gruppe ab 30KreativSpielerisch

Der Restaurant Day ist ein offenes Beteiligungsformat, bei dem Menschen für einen Tag temporäre Restaurants, Cafés oder Essensstände im öffentlichen Raum, in Hinterhöfen, Vereinen, Nachbarschaftszentren oder anderen geeigneten Orten eröffnen. Im Beteiligungskontext steht nicht das Essen im Mittelpunkt, sondern der Austausch. Essen dient als niedrigschwelliger Anlass, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Dadurch können Nachbarschaften aktiviert, neue Zielgruppen erreicht und Meinungen zu einem Ort oder Projekt gesammelt werden. Restaurant Days werden häufig genutzt, um öffentliche Räume zeitweise anders zu nutzen und neue Ideen für deren zukünftige Entwicklung sichtbar zu machen.

Ziel

Der Restaurant Day schafft Begegnungen zwischen Menschen, die sich im Alltag häufig nicht austauschen. Durch gemeinsame Gespräche in einer ungezwungenen Atmosphäre werden Erfahrungen, Ideen und Wünsche sichtbar. Gleichzeitig können öffentliche Räume getestet, aktiviert und neu gedacht werden.

Wann sinnvoll?

  • wenn neue Zielgruppen erreicht werden sollen
  • wenn Menschen in lockerer Atmosphäre miteinander ins Gespräch kommen sollen
  • zur Aktivierung von Nachbarschaften
  • zur Belebung öffentlicher Räume
  • als niedrigschwelliger Einstieg in Beteiligungsprozesse
  • um Ideen und Erfahrungen zu einem Ort zu sammeln

Wann nicht sinnvoll?

  • Bei Prozessen, in denen verbindliche Entscheidungen getroffen werden sollen.
  • Für Themen, die sehr spezifisches Fachwissen erfordern.
  • Zur Bearbeitung sensibler oder stark konfliktbelasteter Themen.
  • Bei Vorhaben, für die eine repräsentative Beteiligung erforderlich ist.
  • Ohne ausreichende personelle, zeitliche oder finanzielle Ressourcen für Organisation und Betreuung.

Ablauf

Zu Beginn wird geklärt, weshalb der Restaurant Day durchgeführt wird.

Mögliche Ziele:

  • Nachbarschaften stärken
  • Ideen für einen Ort sammeln
  • einen öffentlichen Raum aktivieren
  • Menschen für ein Projekt gewinnen
  • unterschiedliche Gruppen miteinander vernetzen

Ein thematischer Schwerpunkt kann hilfreich sein, ist aber nicht zwingend notwendig, primär ist wichtig, dass Menschen zusammen kommen und in Zukunft für partizipative Projekte offen sind.

Der Ort sollte leicht erreichbar, sichtbar und einladend sein.

Geeignet sind beispielsweise:

  • öffentliche Plätze
  • Parks
  • Innenhöfe
  • Nachbarschaftszentren
  • leerstehende Ladenlokale
  • Vereinsgelände

Wichtig ist ausreichend Platz für Aufenthaltsbereiche und Gespräche.

Für die Durchführung werden Personen oder Gruppen gesucht, die einen Stand, ein Café oder eine kleine Essensstation betreiben möchten.

Dies können sein:

  • Nachbarschaftsinitiativen, Vereine
  • Schulen, Jugendgruppen
  • Senior:innengruppen
  • lokale Organisationen
  • engagierte Einzelpersonen

Je vielfältiger die Beteiligten sind, desto unterschiedlicher werden die Perspektiven.

Vor der Veranstaltung sollten rechtliche und organisatorische Fragen geklärt werden.

Dazu gehören:

  • Nutzungsgenehmigungen
  • Hygienevorschriften
  • Stromversorgung
  • Sitzgelegenheiten
  • Müllentsorgung
  • Wettervorsorge

Damit neben dem Essen auch Austausch entsteht, können Gesprächsimpulse vorbereitet werden.

Beispiele:

  • Was gefällt an diesem Ort besonders?
  • Was fehlt im Quartier?
  • Welche Veränderungen werden gewünscht?
  • Welche Ideen gibt es für die Zukunft?

Die Fragen können auf Tafeln, Tischdecken oder Moderationskarten sichtbar gemacht werden.

Im Rahmen des Stadtkontakt.mobil am Gasthaus „Zur Ortmühle“ wurde der regelmäßig stattfindende Mittagstisch als Beteiligungsanlass genutzt. Anstatt eine zusätzliche Veranstaltung zu organisieren, wurde das Beteiligungsangebot bewusst in ein bestehendes Gemeinschaftsangebot integriert, orientiert an den Grundprinzipien des Restaurant Day. 
Ziel war es, Menschen dort zu erreichen, wo sie sich ohnehin treffen und miteinander ins Gespräch kommen.

Während des gemeinsamen Mittagessens und in den anschließenden Gesprächsphasen wurden die Besucher:innen auf das Projekt aufmerksam gemacht und zum Austausch eingeladen. Die Gespräche fanden in einer ungezwungenen Atmosphäre statt und orientierten sich an den Interessen und Erfahrungen der Teilnehmenden. Themen wie Smart City, Beteiligung und die Entwicklung des eigenen Wohnortes konnten dadurch ohne formellen Rahmen diskutiert werden. Das bestehende soziale Umfeld erleichterte den Einstieg in die Gespräche und förderte einen offenen Austausch.

Der Restaurant Day nutzt bestehende Begegnungsorte als Ausgangspunkt für Beteiligung. Menschen müssen keine zusätzliche Veranstaltung besuchen oder sich bewusst für eine Beteiligung anmelden. Stattdessen entsteht der Austausch beiläufig im Alltag. Dadurch können insbesondere Personen erreicht werden, die klassische Beteiligungsveranstaltungen eher selten besuchen.

Der bestehende Mittagstisch bot einen geeigneten Rahmen, um unkompliziert mit Bürger:innen ins Gespräch zu kommen. Die vertraute Atmosphäre erleichterte den Austausch und führte zu persönlichen Gesprächen über den Ort und seine Entwicklung. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass der Erfolg stark von der bestehenden Veranstaltung abhängt. Ist die Besucherzahl gering oder bleibt die Zielgruppe aus, sinken auch die Beteiligungsmöglichkeiten. Zudem beeinflussen äußere Faktoren wie Wetter oder parallel stattfindende Veranstaltungen die Reichweite des Angebots.

Der gewählte Anlass sollte bereits eine ausreichend große und möglichst passende Zielgruppe anziehen. Gleichzeitig muss das Beteiligungsangebot trotz der bestehenden Veranstaltung gut sichtbar sein, damit Interessierte erkennen, dass eine Mitwirkung möglich ist. Wichtig ist außerdem, den laufenden Charakter der Veranstaltung zu respektieren und die Gespräche freiwillig sowie ohne Zeitdruck zu gestalten.

Die beteiligten Gruppen richten ihre Stände oder Essensangebote ein.

Wichtig ist eine offene Gestaltung, die Gespräche und Begegnungen ermöglicht.

Besucher:innen werden aktiv eingeladen, Platz zu nehmen, etwas zu essen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Besonders hilfreich sind Gastgeber:innen, die neue Personen begrüßen und miteinander vernetzen.

Die Gespräche finden informell statt. Gleichzeitig können vorbereitete Fragen genutzt werden, um Erfahrungen, Wünsche und Ideen zu sammeln.

Je nach Ziel können zusätzlich eingesetzt werden:

  • Pinnwände
  • Ideensammlungen
  • Feedbackkarten
  • Abstimmungen

Während der Veranstaltung werden wichtige Aussagen, Ideen und Beobachtungen dokumentiert.

Geeignet sind:

  • Notizen
  • Fotos
  • Kartenabfragen
  • Audioaufzeichnungen
  • kurze Interviews

Zum Ende der Veranstaltung können zentrale Erkenntnisse kurz vorgestellt werden.

Dabei werden häufige Themen, Wünsche oder Verbesserungsvorschläge sichtbar gemacht.

Alle gesammelten Beiträge werden zusammengeführt und strukturiert.

Besonders hilfreich ist die Bündelung von:

  • wiederkehrenden Themen
  • Konfliktpunkten
  • Ideen
  • Entwicklungswünschen

Die Ergebnisse werden verständlich aufbereitet und den Beteiligten zur Verfügung gestellt.Dadurch wird sichtbar, welche Erkenntnisse aus den Gesprächen entstanden sind.
Fotos oder Videos die den Tag über entstanden sind können auf Social Media gepostet werden, um das Engagement zu wertschätzen.

Falls der Restaurant Day Teil eines größeren Projekts ist, können aus den Ergebnissen weitere Maßnahmen oder Beteiligungsformate entwickelt werden.

Quelle: Bujdosó, A. (Hrsg.) (2019): Social Design Cookbook. Recipes for Social Cooperation. Kitchen Budapest, Budapest. 

Hinweise

Tipps

  • Bereits bei der Planung sollte auf einen ressourcenschonenden Umgang mit Lebensmitteln geachtet werden. Mengen möglichst realistisch kalkulieren und Mehrweg- statt Einwegmaterialien bevorzugen.
  • Für übrig gebliebenes Essen können To-go-Behälter bereitgestellt werden, damit Lebensmittel nicht unnötig entsorgt werden müssen.
  • Sofern rechtlich und organisatorisch möglich, können nicht verbrauchte Lebensmittel an soziale Einrichtungen oder lokale Initiativen weitergegeben werden.
  • Ausreichende Mülltrenn- und Sammelmöglichkeiten erleichtern eine saubere Durchführung der Veranstaltung.
  • Zum Abschluss sollte eine gemeinsame Aufräumphase eingeplant werden, an der sich alle Beteiligten beteiligen können.
  • Öffentliche Räume sollten nach der Veranstaltung sauber, ordentlich und möglichst im ursprünglichen Zustand hinterlassen werden. Dies stärkt die Akzeptanz solcher Formate bei Anwohnenden, Verwaltung und Grundstückseigentümer:innen.

Ungeeignet für

  • Themen, die sensibel oder vertraulich behandelt werden müssen.
  • Situationen mit starken Konflikten zwischen Beteiligten, die eine strukturierte Konfliktbearbeitung oder Mediation erfordern.
  • Vorhaben ohne ausreichende personelle, zeitliche oder finanzielle Ressourcen für Organisation, Verpflegung und Betreuung.
  • Veranstaltungen, bei denen rechtliche oder hygienische Anforderungen nicht eingehalten werden können.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Workshop

Ein Workshop ist ein moderiertes Arbeitsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam eine Fragestellung bearbeiten, Ideen entwickeln oder Lösungen erarbeiten. Je nach Ziel können Informationen vermittelt, Probleme analysiert oder konkrete Maßnahmen entwickelt werden. Durch die aktive Mitarbeit aller Beteiligten eignet sich die Methode besonders für die gemeinsame Entwicklung von Ergebnissen.

KreativAktivierend

World-Café

Das World-Café ist ein Beteiligungsformat, das den offenen Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ideen ermöglicht. Die Teilnehmenden diskutieren dabei in kleinen Gruppen an mehreren Tischen zu vorbereiteten Fragen. Durch regelmäßige Tischwechsel entstehen neue Gesprächskonstellationen, wodurch Gedanken weiterentwickelt, Perspektiven verbunden und gemeinsame Ideen sichtbar werden. Die Atmosphäre orientiert sich bewusst an einem Café: offen, informell und einladend. Dadurch eignet sich die Methode besonders gut, um viele Menschen niedrigschwellig in einen Dialog einzubeziehen und gemeinsames Nachdenken anzuregen. Ein World-Café kann eigenständig stattfinden oder Teil einer größeren Veranstaltung sein.

StrukturiertAktivierend

Zukunftwerkkstatt

Die Zukunftswerkstatt ist ein Beteiligungsformat, bei dem Teilnehmende gemeinsam Probleme analysieren, Zukunftsvisionen entwickeln und daraus konkrete Handlungsschritte ableiten. Die Methode verbindet kreatives Denken mit praktischer Planung und eignet sich besonders für Themen, bei denen neue Ideen und langfristige Perspektiven gefragt sind. Die Zukunftswerkstatt ist in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert: Kritikphase, Utopiephase und Realisierungsphase. Durch diesen klaren Ablauf wechseln die Teilnehmenden bewusst zwischen Kritik, Vision und konkreter Umsetzung. Dadurch entstehen oft kreative und gemeinschaftlich entwickelte Lösungsansätze.

AktivierendKreativ
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