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Sensemaking

InformierenMitredenMitbestimmenAbschluss & WirkungReflexion & EvaluationStrukturieren & PriorisierenAnalogDigital1 - 3 Stunden1 Tag - 1 Wochedirekte Betroffeneorganisierte Akteur:innenkleine Gruppe bis 15mittlere Gruppe bis 30EinfachStrukturiert

Sensemaking ist eine Methode zur gemeinsamen Auswertung und Interpretation von Informationen, Beobachtungen und Beteiligungsergebnissen. Anders als bei einer wissenschaftlichen Analyse geht es nicht darum, Daten systematisch zu codieren oder statistisch auszuwerten. Stattdessen werden Muster, Zusammenhänge, Themen und Erkenntnisse sichtbar gemacht, um ein gemeinsames Verständnis der Situation zu entwickeln.

Ziel

Das Ziel von Sensemaking ist es, große Mengen an Informationen gemeinsam zu ordnen, zu verstehen und daraus relevante Erkenntnisse abzuleiten. Die Methode hilft dabei, Muster und Zusammenhänge sichtbar zu machen und auf dieser Grundlage Entscheidungen, Handlungsempfehlungen oder nächste Arbeitsschritte zu entwickeln.

Wann sinnvoll?

  • Wenn viele Interviews, Notizen oder Beteiligungsergebnisse ausgewertet werden sollen.
  • Wenn unterschiedliche Sichtweisen zusammengeführt und strukturiert werden sollen.
  • Wenn aus Beteiligungsergebnissen gemeinsame Themen und konkrete Handlungsschritte abgeleitet werden sollen.
  • Wenn innerhalb eines Projektteams ein gemeinsames Verständnis der Ergebnisse aufgebaut werden soll.

Wann nicht sinnvoll?

  • Wenn noch keine Informationen oder Daten als Grundlage vorliegen.
  • Wenn ausschließlich statistische oder quantitative Auswertungen benötigt werden.
  • Wenn bereits klare Entscheidungen getroffen wurden und keine gemeinsame Auswertung mehr erforderlich ist.
  • Wenn nur sehr wenig Material vorliegt und keine inhaltliche Verdichtung notwendig ist.

Ablauf

Analog
  • Pinnwand oder große Wandfläche
  • Moderationskarten oder Haftnotizen
  • Stifte
  • Ausdrucke von Interviews, Protokollen oder Ergebnissen
Digital
  • Whiteboard-Tools (z. B. Miro, Mural)
  • Tabellen oder Dokumente
  • digitale Notizzettel

Alle relevanten Informationen an einem Ort sammeln.

Dazu können gehören:

  • Interviewnotizen, Workshopdokumentationen
  • Transkripte, Umfrageergebnisse
  • Fotos, Karten
  • Beobachtungsprotokolle

Je besser die Informationen vorbereitet sind, desto leichter fällt die gemeinsame Auswertung.

Festlegen, welche Frage beantwortet werden soll.

Beispiele:

  • Welche Themen beschäftigen die Beteiligten besonders?
  • Wo liegen die größten Herausforderungen?
  • Welche Bedürfnisse werden häufig genannt?
  • Welche Maßnahmen werden besonders unterstützt?

Möglichst mit mehreren Personen arbeiten. Unterschiedliche Perspektiven helfen dabei, blinde Flecken zu vermeiden und die Ergebnisse nachvollziehbarer zu machen.

Alle Beteiligten verschaffen sich zunächst einen Überblick über das vorhandene Material. Wichtige Aussagen, Beobachtungen oder Auffälligkeiten werden markiert oder notiert.

Leitfragen:

  • Was fällt besonders auf?
  • Was wiederholt sich?
  • Was überrascht?

Einzelne Beobachtungen werden auf Karten oder digitale Notizzettel geschrieben.

Eine Karte enthält immer nur einen Gedanken oder eine Beobachtung.

Beispiel:

  • „Viele Menschen fühlen sich nachts unsicher.“
  • „Der Schulweg wird häufig als gefährlich beschrieben.“
  • „Es fehlen Aufenthaltsorte für Jugendliche.“

Die Karten werden gemeinsam sortiert und gruppiert. Ähnliche Aussagen werden zusammengelegt.

Typische Themen können sein:

  • Sicherheit
  • Aufenthaltsqualität
  • Mobilität
  • Kommunikation
  • Barrierefreiheit

Dabei entstehen erste Muster und Zusammenhänge.

Die Gruppen diskutieren die gefundenen Muster.

Fragen können sein:

  • Was bedeuten diese Ergebnisse?
  • Welche Ursachen könnten dahinterliegen?
  • Welche Zusammenhänge erkennen wir?
  • Welche Perspektiven fehlen möglicherweise noch?

Hier entsteht das eigentliche gemeinsame Verständnis.

Auf Basis der Erkenntnisse werden Konsequenzen formuliert.

Beispiele:

  • Welche Themen sollten vertieft werden?
  • Welche Maßnahmen erscheinen sinnvoll?
  • Welche Zielgruppen müssen stärker beteiligt werden?
  • Welche offenen Fragen bleiben bestehen?

Falls viele Erkenntnisse entstanden sind, werden diese priorisiert.

Mögliche Fragen:

  • Was ist besonders wichtig?
  • Wo besteht dringender Handlungsbedarf?
  • Welche Erkenntnisse haben die größte Relevanz für das Projekt?
  • Themencluster
  • zentrale Erkenntnisse
  • Schlussfolgerungen
  • Prioritäten
  • empfohlene nächste Schritte

Fotos der Pinnwand oder digitale Boards sollten gesichert werden.

Wenn möglich, sollten die Erkenntnisse den Beteiligten noch einmal vorgestellt werden. So kann überprüft werden, ob die Interpretation nachvollziehbar ist und wichtige Aspekte korrekt wiedergegeben wurden.

Aus den Ergebnissen konkrete nächste Schritte ableiten.

Zum Beispiel:

  • weitere Beteiligungsformate
  • Entwicklung von Maßnahmen
  • Vertiefung einzelner Themen
  • politische oder administrative Entscheidungen

Quelle: Kerr, J., Cheers, J., Gallegos, D., Blackler, A. & Kelly, N. (2023): The Art of Co-Design. A Guide Through Creative Collaboration. BIS Publishers.

Hinweise

Tipps

  • Mit mehreren Personen arbeiten, um unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen.
  • Beobachtungen von Interpretationen trennen.
  • Erkenntnisse möglichst konkret notieren.
  • Visualisierungen und Cluster nutzen, um Zusammenhänge sichtbar zu machen.
  • Ausreichend Zeit für Diskussionen einplanen. Hier entstehen oft die wichtigsten Erkenntnisse.

Ungeeignet für

  • Projekte mit ausschließlich quantitativen oder statistischen Datengrundlagen.
  • Vorhaben, bei denen Ergebnisse objektiv vorgegeben sind und nicht gemeinsam interpretiert werden sollen.
  • Prozesse ohne Bereitschaft zur gemeinsamen Reflexion und Diskussion unterschiedlicher Perspektiven.
  • Situationen mit vertraulichen oder sensiblen Daten, die nicht gemeinsam ausgewertet werden dürfen.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse ist eine strukturierte Methode zur Auswertung von qualitativen und quantitativen Daten. Sie hilft dabei, große Mengen an Informationen systematisch zu untersuchen, zu kategorisieren und auszuwerten. Dabei werden alle Materialien nach bestimmten Kategorien analysiert. Ziel ist es, Muster, Zusammenhänge, Unterschiede oder wiederkehrende Aussagen sichtbar zu machen.

EinfachStrukturiert
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