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Fishbowl

MitredenEinarbeitungVerstehen & Perspektiven sammelnAnalog1 - 3 Stundendirekte Betroffeneinteressierte Öffentlichkeitschwer erreichbare Gruppenorganisierte Akteur:innenmittlere Gruppe bis 30große Gruppe ab 30StrukturiertAktivierend

Die Fishbowl ist ein einfaches Diskussionsformat für größere Gruppen, das Bewegung in klassische Gesprächssituationen bringt. Statt einer festen Gesprächsrunde entsteht ein offener Austausch, bei dem sich Beteiligte flexibel einbringen können. So entwickelt sich eine lebendige Diskussion, die verschiedene Perspektiven sichtbar macht.

Ziel

Ziel der Fishbowl ist es, einen offenen Austausch zu ermöglichen, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden und sich möglichst viele Teilnehmende aktiv in die Diskussion einbringen können.

Wann sinnvoll?

  • wenn viele unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden sollen
  • bei kontroversen oder diskussionsintensiven Themen
  • wenn ein offener Austausch zwischen Öffentlichkeit, Fachpersonen und Betroffenen entstehen soll
  • für größere Gruppen, bei denen trotzdem aktive Beteiligung möglich sein soll

Wann nicht sinnvoll?

  • wenn konkrete Entscheidungen oder Abstimmungen getroffen werden sollen
  • wenn am Ende klare Beschlüsse oder fertige Maßnahmen erwartet werden
  • wenn Teilnehmende sich ungern spontan äußern oder bewegen
  • bei Themen, die intensive Kleingruppenarbeit erfordern

Ablauf

Im Vorfeld überlegen, welche Perspektiven vertreten sein sollten. Besonders wertvoll ist eine diverse Zusammensetzung der Gruppe, damit unterschiedliche Erfahrungen und Lebensrealitäten sichtbar werden.

Je nach Thema können Fachpersonen, Verwaltung, Politik, Initiativen oder direkt Betroffene eingeladen werden.

Eine klare und offene Fragestellung formulieren, die unterschiedliche Perspektiven zulässt. Die Frage sollte verständlich sein und Diskussionen ermöglichen, statt nur mit Ja oder Nein beantwortet werden zu können.

Beispiele:

  • „Wie soll sich der öffentliche Raum in unserem Quartier verändern?“
  • „Welche Bedürfnisse gibt es rund um Mobilität im Stadtteil?“
  • „Wie kann die Beteiligung von Jugendlichen verbessert werden?“

Die Moderation sollte die Diskussion begleiten, Redeanteile ausgleichen und darauf achten, dass respektvoll miteinander gesprochen wird. Bereite Einstiegsfragen und mögliche Vertiefungsfragen vor.

Zwei Sitzkreise einrichten: einen kleinen Innenkreis und einen größeren Außenkreis darum herum. Der Innenkreis und Außenkreis sollten etwa 6-10 Plätze umfassen. Plane mindestens einen freien Stuhl zusätzlich ein, damit Teilnehmende jederzeit in die Diskussion einsteigen können.

Darauf achten, dass alle Personen sich gut sehen und hören können. Die Atmosphäre sollte offen und möglichst informell wirken.

Die Teilnehmenden begrüßen und kurz den Ablauf der Fishbowl erklären.

Wichtig ist:

  • gesprochen wird nur im Innenkreis
  • Personen aus dem Außenkreis können jederzeit in den Innenkreis wechseln
  • wer fertig gesprochen hat, macht wieder Platz

Außerdem die Gesprächsregeln erklären, z.B. respektvoller Umgang, ausreden lassen und kurze Beiträge.

Zu Beginn nehmen einige Personen im Innenkreis Platz und starten die Diskussion zur Leitfrage. Die übrigen Teilnehmenden sitzen im Außenkreis und hören zu.

Die Moderation eröffnet das Gespräch mit einer Einstiegsfrage oder einem kurzen Impuls.

Hier ein paar Beispiele, die du je nach Thema anpassen kannst:

  • „Was beschäftigt euch an diesem Thema aktuell am meisten?“
  • „Welche Veränderungen wünscht ihr euch für diesen Ort?“

Der Einstieg kann auch mit einem kurzen Impuls vorbereitet werden, z.B.:

  • einem Foto oder Plan
  • einer kurzen Geschichte oder Alltagssituation
  • einem Zitat aus Interviews oder Beteiligungen

Teilnehmende aus dem Außenkreis können sich jederzeit beteiligen:

  • Ist ein Platz frei, setzen sie sich dazu.
  • Sind alle Plätze besetzt, stellen sie sich hinter eine Person im Innenkreis. Diese beendet ihren Beitrag und wechselt anschließend nach außen.

Dadurch bleibt die Diskussion offen und beweglich.

Die Moderation achtet darauf, dass:

  • verschiedene Personen zu Wort kommen
  • keine Einzelpersonen dominieren
  • beim Thema geblieben wird
  • ruhigere Personen ebenfalls Raum bekommen

Bei Bedarf können Zwischenfragen gestellt oder Themen zusammengefasst werden.

Zum Ende fasst die Moderation zentrale Aussagen, Konflikte oder Ideen zusammen. Anschließend können die Teilnehmenden ergänzen:

  • Was war besonders wichtig?
  • Welche Perspektiven fehlen noch?
  • Welche Themen sollten weiter bearbeitet werden?

Die wichtigsten Punkte werden dokumentiert.

Direkt nach der Diskussion zentrale Aussagen, Konfliktpunkte, Fragen und Ideen festhalten. Besonders wichtig sind:

  • wiederkehrende Themen
  • unterschiedliche Perspektiven
  • mögliche Lösungsansätze
  • offene Fragen

Die Dokumentation sollte verständlich und übersichtlich aufbereitet werden, damit auch Personen, die nicht dabei waren, die Diskussion nachvollziehen können.

Die Beiträge thematisch ordnen. Häufig hilft es, ähnliche Aussagen zusammenzufassen oder Themen zu clustern.

Dadurch wird sichtbar:

  • welche Themen besonders wichtig waren
  • wo Konflikte bestehen
  • bei welchen Punkten es bereits gemeinsame Sichtweisen gibt

Die Teilnehmenden darüber informieren, was mit ihren Beiträgen passiert. Zum Beispiel schicken:

  • eine Ergebniszusammenfassung
  • nächste Schritte im Prozess

Das schafft Transparenz und zeigt, dass die Diskussion ernst genommen wird.

Gemeinsam mit Auftraggebenden oder Projektverantwortlichen überlegen:

  • Welche Themen sollen weiterbearbeitet werden?
  • Welche Ideen sind kurzfristig umsetzbar?
  • Wo braucht es weitere Beteiligung oder Vertiefung?

Die Fishbowl dient oft als Einstieg oder Stimmungsbild und wird anschließend durch vertiefende Methoden ergänzt.

Nach der Veranstaltung reflektieren:

  • Haben sich unterschiedliche Personen beteiligt?
  • War die Fragestellung verständlich?
  • Gab es dominante Redeanteile?
  • War die Gruppengröße passend?
  • Hat die Moderation gut funktioniert?

Diese Erkenntnisse helfen bei der Planung zukünftiger Veranstaltungen.

Quelle: https://mobilitaetsplanung-hessen.de/methodenkoffer-partizipative-planung/

Hinweise

Tipps

  • Auf eine diverse Zusammensetzung der Gruppe achten, um unterschiedliche Lebensrealitäten einzubeziehen.
  • Die Fragestellung offen und verständlich formulieren, sodass unterschiedliche Perspektiven Raum bekommen. 
  • Die Methode lebt vom Austausch: Ein häufiger Wechsel der Personen im Innenkreis ist ausdrücklich erwünscht. Zu Beginn kann es Hemmungen geben, sich aktiv einzubringen. Ermutige daher ruhig die Teilnehmenden, in den Innenkreis zu wechseln.
  • Darauf achten, dass ein Dialog entsteht und keine langen Einzelbeiträge dominieren.
  • Möglichst auf Mikrofone verzichten, damit keine Stimmen hervorgehoben werden und alle sich gleich gut verstehen können.

Ungeeignet für

  • Entscheidungsprozesse, da keine klaren Mehrheiten sichtbar werden
  • Situationen, in denen konkrete Ergebnisse oder Beschlüsse erwartet werden
  • sehr kleine Gruppen
  • Räume mit schlechter Akustik oder eingeschränkter Verständlichkeit

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Community Mapping (kartenbasiertes Verfahren)

Community Mapping ist ein Beteiligungsformat, bei dem Menschen ihre Wahrnehmung eines Gebiets mithilfe von Karten oder Zeichnungen sichtbar machen. Dabei markieren sie wichtige Orte, häufig genutzte Wege, Barrieren oder problematische Situationen im Alltag. So werden lokale Erfahrungen und Bedürfnisse gesammelt und räumlich verortet.

SpielerischAktivierend

Fokusgruppen

Eine Fokusgruppe ist ein moderiertes Gruppengespräch (typisch 5–8 Personen), bei dem Einstellungen, Bedürfnisse und Reaktionen zu einem Thema explorativ erhoben werden. Der Erkenntnisgewinn entsteht nicht nur durch einzelne Aussagen, sondern durch die Interaktion der Teilnehmenden.

EinfachStrukturiert

Umfrage

Die Umfrage ist eine Beteiligungsmethode, mit der Meinungen, Erfahrungen, Bedürfnisse oder Einschätzungen vieler Menschen systematisch erfasst werden können. Sie eignet sich besonders, um schnell eine große Anzahl an Rückmeldungen zu sammeln und Trends oder Stimmungen sichtbar zu machen. Umfragen können analog, digital oder kombiniert durchgeführt werden. Die Fragen können geschlossen formuliert sein, etwa mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, oder offen, sodass Teilnehmende eigene Antworten formulieren können. Während geschlossene Fragen eine einfache und vergleichbare Auswertung ermöglichen, liefern offene Fragen oft detailliertere Einblicke und persönliche Perspektiven.

EinfachStrukturiert
Gemerkte Methoden0 Methoden

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