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Gemeinsame Auswertung

InformierenMitredenMitbestimmenAbschluss & WirkungReflexion & EvaluationStrukturieren & PriorisierenAnalogDigital1 - 3 Stunden1 Tagdirekte Betroffeneorganisierte Akteur:innenkleine Gruppe bis 15EinfachStrukturiert

Bei der Gemeinsamen Auswertung werden Ergebnisse nicht ausschließlich von Fachpersonen oder Projektverantwortlichen ausgewertet, sondern gemeinsam mit den Menschen, die an der Datenerhebung oder dem Beteiligungsprozess involviert waren. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven in die Interpretation einzubeziehen und sicherzustellen, dass Ergebnisse nicht nur über die Beteiligten, sondern mit ihnen gemeinsam verstanden werden.

Ziel

Ziel ist es, Ergebnisse gemeinsam zu interpretieren und unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen. Die Methode hilft dabei, blinde Flecken in der Auswertung zu vermeiden und die Erfahrungen der Beteiligten direkt in die Analyse einzubeziehen.

Wann sinnvoll?

  • Bei der gemeinsamen Interpretation qualitativer Ergebnisse.
  • Wenn Ergebnisse möglichst nah an den Erfahrungen der Beteiligten interpretiert werden sollen.
  • Wenn unterschiedliche Sichtweisen auf die Ergebnisse berücksichtigt werden sollen.
  • Wenn Vertrauen und Transparenz im Beteiligungsprozess gestärkt werden sollen.
  • Wenn schwer erreichbare Gruppen aktiv in die Interpretation der Ergebnisse eingebunden werden sollen.
  • Wenn vermieden werden soll, dass Ergebnisse ausschließlich aus der Perspektive der Verwaltung oder einzelner Fachpersonen interpretiert werden.

Wann nicht sinnvoll?

  • Bei vertraulichen oder sensiblen Daten, die nicht gemeinsam ausgewertet werden dürfen.
  • Wenn sehr große Datenmengen in kurzer Zeit ausgewertet werden müssen.
  • Wenn keine ausreichende Zeit für die gemeinsame Reflexion und Interpretation der Ergebnisse zur Verfügung steht.
  • Wenn die Ergebnisse bereits feststehen oder nicht mehr diskutiert werden sollen.

Ablauf

Die Ergebnisse so aufbereiten, dass sie für alle verständlich sind.

Zum Beispiel:

  • Interviewzitate
  • Themencluster
  • Fotos
  • Karten
  • Aussagen aus Workshops
  • Ergebnisse einer Thematischen Analyse

Die Materialien sollten übersichtlich und leicht verständlich sein.

Überlegen, welche Fragen gemeinsam bearbeitet werden sollen.

Zum Beispiel:

  • Was fällt Ihnen an diesen Ergebnissen auf?
  • Welche Themen überraschen Sie?
  • Welche Aspekte fehlen?
  • Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Möglichst Menschen einladen, die:

  • an der Datenerhebung beteiligt waren
  • von dem Thema betroffen sind
  • unterschiedliche Perspektiven einbringen können

Eine vielfältige Gruppe erhöht die Qualität der Auswertung.

Die gesammelten Ergebnisse zunächst ohne Interpretation präsentieren.

Zum Beispiel:

  • Themencluster
  • Zitate
  • Karten
  • Beobachtungen
  • Diagramme

Noch keine Schlussfolgerungen vorgeben.

Die Teilnehmenden bitten, zunächst zu beschreiben, was sie sehen.

Hilfreiche Fragen:

  • „Was fällt Ihnen als Erstes auf?“
  • „Welche Themen erkennen Sie?“
  • „Welche Aussagen erscheinen besonders wichtig?“

Eher vermeiden:

  • „Ist das Ergebnis richtig?“
  • „Sind wir uns einig?“

Zunächst geht es um Wahrnehmungen, nicht um Bewertungen. Hier schon erste Eindrücke notieren.

Nun werden die Ergebnisse gemeinsam diskutiert.

Hilfreiche Fragen:

  • „Warum könnte dieses Thema so häufig genannt worden sein?“
  • „Welche Erfahrungen stehen dahinter?“
  • „Welche Zusammenhänge erkennen Sie?“
  • „Welche Perspektiven fehlen möglicherweise?“

Wichtig:

Unterschiedliche Interpretationen dürfen nebeneinander stehen bleiben.

Die Teilnehmenden können:

  • fehlende Aspekte ergänzen
  • Themen präzisieren
  • Missverständnisse aufklären
  • Zusammenhänge erläutern

Gerade hier entsteht häufig neues Wissen, das in den ursprünglichen Daten noch nicht sichtbar war.

Zum Abschluss werden die wichtigsten Erkenntnisse dokumentiert.

Zum Beispiel:

  • zentrale Themen
  • überraschende Ergebnisse
  • offene Fragen
  • mögliche Handlungsschwerpunkte

Am Ende liegt nicht nur eine Auswertung der Daten vor, sondern auch eine gemeinsame Interpretation der Ergebnisse.

Mögliche Resultate sind:

  • validierte Erkenntnisse
  • ergänzte Perspektiven
  • besseres Verständnis der Ergebnisse
  • höhere Akzeptanz der Auswertung
  • gemeinsame Handlungsschwerpunkte
  • stärkere Identifikation mit dem Prozess

Die Ergebnisse sind häufig belastbarer, weil sie nicht nur von Projektverantwortlichen oder Fachpersonen interpretiert wurden, sondern gemeinsam mit den Menschen, deren Erfahrungen und Perspektiven die Grundlage der Daten bilden.

Mit diesen Daten kann weitergearbeitet werden, um entsprechende Schritte und Ansprechpersonen zu finden.
Im Nachgang können die Beteiligten der Methode informiert werden, was mit den Ergebnissen passiert und wie es im Prozess weitergeht. Transparenz in der Arbeit stärkt das Vertrauen und erhöht die Bereitschaft in Zukunft noch mal an einer Methode teilzunehmen.

Quelle: Kerr, J., Cheers, J., Gallegos, D., Blackler, A. & Kelly, N. (2023): The Art of Co-Design. A Guide Through Creative Collaboration. BIS Publishers.

Hinweise

Tipps

  • Mit verständlichen Materialien arbeiten.
  • Originalzitate und konkrete Beispiele nutzen.
  • Allen Beteiligten ausreichend Redezeit geben.
  • Unterschiedliche Sichtweisen dokumentieren.
  • Offen für Widersprüche sein.
  • Vorschnelle Schlussfolgerungen vermeiden.
  • Genügend Zeit für Diskussion und Reflexion einplanen.

Ungeeignet für

  • Projekte, bei denen vertrauliche oder sensible Daten nicht geteilt werden dürfen.
  • Vorhaben, die eine schnelle Auswertung oder kurzfristige Ergebnisse erfordern.
  • Gruppen ohne Bereitschaft zur gemeinsamen Reflexion und Interpretation der Ergebnisse.
  • Auswertungen, bei denen ausschließlich statistische oder quantitative Ergebnisse im Vordergrund stehen.

Im Anschluss

Im Anschluss bieten sich Methoden an, die die gesammelten Inhalte ordnen, vertiefen oder in konkrete Schritte überführen. Je nach Ziel können z.B. folgende Formate anschließen:

Sensemaking

Sensemaking ist eine Methode zur gemeinsamen Auswertung und Interpretation von Informationen, Beobachtungen und Beteiligungsergebnissen. Anders als bei einer wissenschaftlichen Analyse geht es nicht darum, Daten systematisch zu codieren oder statistisch auszuwerten. Stattdessen werden Muster, Zusammenhänge, Themen und Erkenntnisse sichtbar gemacht, um ein gemeinsames Verständnis der Situation zu entwickeln.

EinfachStrukturiert

Inhaltsanalyse

Die Inhaltsanalyse ist eine strukturierte Methode zur Auswertung von qualitativen und quantitativen Daten. Sie hilft dabei, große Mengen an Informationen systematisch zu untersuchen, zu kategorisieren und auszuwerten. Dabei werden alle Materialien nach bestimmten Kategorien analysiert. Ziel ist es, Muster, Zusammenhänge, Unterschiede oder wiederkehrende Aussagen sichtbar zu machen.

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